Schwalmtal: Cannabis in der Kent-School
VON GABI LAUE UND BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 17.04.2009Schwalmtal (RPO). Die Polizei hat eine große Hanf-Plantage im Keller eines Gebäudes der ehemaligen Kent-School in Waldniel entdeckt. Die Jungpflanzen müssen seit Wochen dort gewässert und umhegt worden sein.
Am späten Vormittag rückten Beamte der Kripo Nettetal, der Einsatzhundertschaft Mönchengladbach sowie mehrere Diensthundeführer gestern auf dem Gelände der ehemaligen Kent-School in Waldniel-Hostert an, nachdem sie einen Hinweis bekommen hatten.
Das Gelände, seit Jahren schon dem Verfall preisgegeben, wurde weiträumig abgesperrt und durchsucht. Im Keller eines leer stehenden Gebäudes schließlich wurden die Einsatzkräfte fündig: Sie entdeckten in Kellerräumen eine riesige Hanf-Plantage mit etwa 1500 Pflanzen. "Das müssen Profis gewesen sein, so etwas macht man nicht nebenbei", sagt Wolfgang Wiese, Pressesprecher der Polizei. Seit etwa zehn Wochen müssen die Pflanzen Schätzungen zufolge dort gehegt und gepflegt worden sein.
Immer mehr Anbauer
Die Zahl der entdeckten Hanf-Plantagen in NRW nimmt zu. Waren es 2003 nur sechs, stieg die Zahl 2006 schon auf 57. Grund: die rigide Fahndungsweise der niederländischen Polizei. Immer mehr Drogenanbauer weichen ins Grenzland aus.
Häufig fallen die Plantagen durch hohen Stromverbrauch auf: Eine kleine Anlage mit 200 Pflanzen verbraucht etwa 20.000 Kilowattstunden pro Jahr.
Pflanzen sichergestellt
Für die professionelle Aufzucht spricht vor allem die Ausstattung der Kellerräume, in denen die Cannabis-Pflanzen entdeckt wurden: Große Scheinwerfer sorgten für die optimale Beleuchtung, auch die Bewässerung und Belüftung soll durchaus fachmännisch gewesen sein, wie die Polizei mitteilt.
Mit Wasser und Strom dürften die Täter keine Probleme gehabt haben: "Die Plantage war an die normale Wasserversorgung angeschlossen, die Leitungen liegen noch", sagt Wiese. Auch den Strom hätten die Cannabis-Anbauer wohl dem normalen Stromnetz entnommen. Der Zugang liegt in der entweihten Kirche. Die Ermittler kamen gerade noch rechtzeitig: In ein bis zwei Wochen, schätzt die Polizei, wären die derzeit noch 50 cm hohen Pflanzen erntereif gewesen.
Über Stunden waren die Beamten gestern damit beschäftigt, all die Pflanzen sicherzustellen. Dann müsse der THC-Gehalt der Pflanzen festgestellt werden, bevor man sie vernichten könne, so Wiese. Die Ermittlungen zu den Betreibern der Anlage und den Hintermännern laufen noch.
Immer wieder werden auf dem Gelände Partys gefeiert – solche, die von Besitzer Elmar Janssen, der das Gebäude Ende 2006 kaufte, genehmigt wurden wie eine Hochzeitsfeier in der Kirche im Herbst, und auch illegale. Spuren in den Gebäuden wie Möbel, Matratzen, Bierflaschen weisen auf ungebetene Besucher hin.
Doch unter besonderer Beobachtung steht das Gelände nicht, wie die Polizei sagt. "Normalerweise gibt es dort keine besonderen Vorkommnisse", sagt Wiese.
Nach Angaben des Besitzers – er bietet derzeit das Gelände für 2,9 Mio. Euro feil – sind 95 Prozent des Areals verpachtet an einen Mieter, der dort Pferde hält. In der dritten Gebäudereihe soll ein Dritter den Keller untervermietet haben.
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