Viersen: Chip für die Bücher
VON JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 15.11.2008Viersen (RPO). Viersens Stadtbibliothek geht in die Offensive: Öffnungszeiten werden verlängert, ausgeliehene Medien können künftig rund um die Uhr zurückgegeben werden. Kosten für das Projekt: rund 430 000 Euro.
Keine Preiserhöhung
CDU/FürVIE Die geplante Erhöhung der Jahresentgelte für die Bibliothek lehnte der Kulturausschuss mit den Stimmen von CDU und FürVIE ab. Der Preis für einen Erwachsenenjahresausweis sollte von 12 auf 15 Euro, für eine Familienausweis von 15 auf 20 Euro angehoben werden.
Mehreinnahme Nach Berechnungen der Verwaltung hätte das für die Stadtkasse eine Mehreinnahme von knapp 11 000 Euro bedeutet. FRAGE DES TAGES
Die Technik macht’s möglich: RFID ist die Kurzform für Radio-Frequenz-Identifikation, deren Elektronik bald in alle Bücher, CD, DVD und sonstige Medien der Viersener Bibliothek Einzug halten wird. „Es handelt sich hierbei um eine Kommunikation und Identifikation über Funk“, so Christiane Wetter, Leiterin der Albert-Vigoleis-Thelen-Stadtbibliothek. Das System erinnert an die Diebstahlsicherungen in zahlreichen Geschäften: Alle Medien werden mit Chip-Etiketten ausgestattet, die durch ein spezielles Lesegerät gespeichert und beschrieben werden. „An entsprechenden Terminals können Ausleihe und Rückgabe der Medien direkt durch den Kunden vorgenommen werden“, so die Bibliotheks-Chefin.
Außen-Terminal
Ein weiterer Vorteil: An einem zusätzlichen von außen an der Bibliothek zugänglichen Terminal – er sieht ähnlich aus wie ein Geldautomat – ist eine Rückgabe der Bücher rund um die Uhr möglich. „Nicht nur den Nutzern, sondern auch uns sind die langen Warteschlangen, die samstags teilweise bis auf den Rathausvorplatz reichen, ein Dorn im Auge. Mit dem künftigen System ist jeder Inhaber eines Bibliotheksausweises bei der Rückgabe der Medien unabhängig von den Öffnungzeiten“, beschreibt Christiane Wetter die Überlegungen.
Gleichzeitig ist geplant, die Öffnungszeiten zu erweitern. Angestrebt werden 31 Stunden pro Woche an fünf Tagen, statt der bisherigen Regelung von 21 Stunden an vier Tagen. Eine zusätzliche Änderung: Die derzeitige Über-Mittag-Schließung an zwei Tagen soll ebenfalls entfallen.
Bei dem angestrebten Weg ins neue Chip-Zeitalter kann die Viersener Verwaltung von den Erfahrungen der Krefelder Kollegen profitieren. Dort ist in diesem Jahr die neue Technik bereits erfolgreich eingeführt worden. „Mögliche Kinderkrankheiten sind daher wohl auszuschließen. Vor allem, weil Krefeld wie Viersen auch an das kommunale Rechenzentrum in Moers angeschlossen ist, das die Datenübertragung sicher stellt“, so Dezernent Dr. Paul Schrömbges. Die Gesamtkosten für die erforderliche technische Ausstattung und die Umrüstung der einzelnen Medien beträgt rund 380 000 Euro. Weitere 50 000 Euro müssen in bauliche Veränderungen investiert werden. Die Stadt geht davon aus, dass sich das Land an den Kosten mit einem Zuschuss von 100 000 Euro beteiligt. Die Nutzungsdauer einer solchen Anlage liegt nach Aussage der Fachfirmen bei etwa zehn Jahren. Die jährlichen Folgekosten – wie Wartung und Abschreibung – betragen rund 50 000 Euro. Viersens Kulturausschuss stimmte dem Projekt ohne Gegenstimme zu.
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