Viersen: Coffeeshop-Diskussion verärgert Venlos Politiker
zuletzt aktualisiert: 05.01.2009Viersen (RPO). Nettetal/Venlo (lp) Die neuerliche Diskussion im Nettetaler Rat über die Venloer Coffeeshops und die Drogenpolitik in den Niederlanden hat in der Nachbarstadt für Verstimmung gesorgt. „Wir möchten wissen, was Nettetals Bürgermeister Wagner will. Er mischt sich in unsere Angelegenheiten ein und scheint uns Vorschriften machen zu wollen. Ich bezweifle, dass er weiß, um was es in Venlo geht. Denn dann zeigte er auch Verständnis“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der PvdA, Hay Janssen, im Gespräch mit der Rheinischen Post.
Bestürzt hat Janssen die Behauptung Wagners, im Umfeld der Coffeeshops werde „Heroin in ungeahntem Ausmaß“ gedealt. Die Kreispolizei hatte dies auf Anfrage der RP bestätigt. „Ich weiß davon nichts. Nach meiner Kenntnis ist das falsch. Gerade Heroin wird in Venlo kaum noch gedealt. Dies ist das Ergebnis der erfolgreichen Projekte Hektor und Achilles.“ Es sei wenig hilfreich, eigene gefühlte Unsicherheit als Tatsachenbehauptungen darzustellen. „Ich erwarte jedenfalls Beweise“, sagte Janssen.
Das Projekt Hektor und die Verlagerung der Coffeeshops zur Grenze hat nach Angaben des Sozialdemokraten, dessen Partei mit Liberalen und Grünen in Venlo die Mehrheit haben, zur Befriedung der Stadt beigetragen. „Es gibt deutlich weniger Kriminalität. Die Verbindung von weichen zu harten Drogen ist gekappt. Wir haben die Coffeeshops zur Grenze gebracht, weil von jenseits die weitaus meisten Kunden kommen. Ich frage mich, warum in Ländern, die besonders restriktiv vorgehen, mehr Drogen konsumiert als in den Niederlanden?“ fragt der Politiker. Venlo dürfe jedenfalls für ungelöste eigene Probleme herhalten müssen.
Dass Christdemokraten in den Niederlanden die Duldungspolitik stoppen wollen, sei „desaströs“, aber rein ideologisch geleitet. „Die Zeche zahlen die Bürger, wenn die Szene in die Illegalität abgedrängt wird.“ Dann vermische sich der Markt für harte mit dem für weiche Drogen, die Umgebungskriminalität, Gefahren für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen stiegen drastisch. „Das haben wir mit unserer Politik erfolgreich bekämpft“, sagt Janssen.
Das „Venloer Modell“ habe sich bewährt. Dazu gehöre neben der Verlagerung der Szene an den Rand – hin zu den Kunden – auch die scharfe Kontrolle des Umfelds. Insofern unterstütze er auch Bestrebungen, eine gemeinsame Lösung für die Grenzstädte zu erarbeiten. „Man muss aber erst einmal Grundlagenwissen haben, um unsere Politik beurteilen zu können“, sagt Janssen.
„Wir reden zu viel über- und zu wenig miteinander“, meint der Sozialdemokrat. Er schlägt vor, dass Nettetaler und Venloer das Thema gemeinsam angehen. „Ich möchte dann allerdings auch die Bürger dabei haben. Eine Konferenz, an der alle teilnehmen und sich einbringen können und deren Teilnehmerkreis nicht vorab gefiltert wird, wäre ein Weg.“ KOMMENTAR
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