Viersen: Das Rennen um das beste Rad
VON JANNETTA SZPAK - zuletzt aktualisiert: 19.03.2009Viersen (RPO). Jedes Quartal stellt das Fundbüro in Lobberich die Sachen zum freien Verkauf, die ein halbes Jahr lang von den Besitzern nicht abgeholt wurden. Auch diesmal war der Ansturm wieder groß.
Lobberich Das Rennen ist im vollen Gange. Auf dem Parkplatz vor dem Rathaus in Lobberich herrscht große Hektik. Die einen strömen in das Rathaus, die anderen verstauen ihre Schätze. Familie Thelen hat zwei Fahrräder auf das Autodach geschnallt. "Soll ich dir helfen?", fragt Sandra Thelen ihren Mann, der vor der Fahrt noch einmal die Halterung überprüft. Die junge Frau freut sich: "Wir haben heute zwei Räder beim Fundsachenverkauf erworben", sagt die Kaldenkirchenerin.
Nicht nur Sandra Thelen ist an diesem Tag früh aufgestanden. Viele Bürger schieben ein Fahrrad nach dem anderen aus dem Rathaus zum Auto. "Von 27 Rädern waren 13 innerhalb einer halben Stunde weg", sagt Ute Marquardt-Schneiders, Sachgebietsleiterin zufrieden. Die Preise schwanken zwischen 10 Euro und 100 Euro, je nach Modell und Zustand. Während sich die einen schnell entscheiden, sehen sich die anderen jedes Rad im Foyer genau an. An dem einen fehlt mal ein Rücklicht, dem anderen eine Pedale. Die Käufer wiegen die Vor- und Nachteile ab. "Ist zwar etwas verrostet, dafür hat es aber 18 Gänge", sagt ein junger Mann zu seiner Begleitung. Die Entscheidung ist für ihn damit gefallen.
Ehemann auch entsorgt?
Auf dem Tresen des Rathauses liegt eine Schatulle. Eine Interessenten schaut hinein: "Da steht ja Bernhard, 4. Juli '97, drin", sagt sie und lacht. "Den Ehemann hat die Besitzerin dann wahrscheinlich gleich mit entsorgt", witzelt ein Mitarbeiter. Im Fundbüro werden viele unterschiedliche Sachen abgegeben: Neben vielen Brillen auch zahlreiche Uhren, Jacken, Sporttaschen mit Inhalt. Sogar eine Sofortbildkamera, ein Receiver, ein Handstaubsauger und eine Wasserpfeife wurden abgegeben und nun zum Kauf angeboten.
Jan Steffens schaut sich die Räder genau an. Der Junge ist zunächst skeptisch. Doch nach kurzer Zeit hat er etwas Passendes für sich gefunden. Das Fahrrad ist perfekt. Wäre da nur nicht der Kindersitz. "Den machen wir sofort ab, das ist kein Problem", verspricht seine Mutter. Der Zwölfjährige freut sich. Er hat, was er wolltePünktlich um zehn Uhr war er mit seiner Mutter in Lobberich. "Als wir geöffnet haben, standen so viele Menschen schon wartend vor der Tür", sagt Ute Marquardt-Schneiders. Der Ansturm war groß.
Doch nicht alles findet beim Verkaufstag einen neuen Besitzer. "Der Rest wird wieder eingelagert für das nächste Mal", so ein Mitarbeiter des Amtes. Jan Steffens macht das Preisschild ab und sichert sich damit das Fahrrad. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt – Preis und Zustand des Rades sind perfekt. Stolz und zufrieden schiebt der Junge den Drahtesel zum Auto und möchte sich zu Hause direkt aufs Fahrrad schwingen. "Aber zuerst muss der Kindersitz ab", sagt der Zwölfjährige erneut. Danach können die Radtouren beginnen.
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