Viersen: "Das Wimbledon des Billards"
VON JOCHEN SMETS - zuletzt aktualisiert: 26.02.2010Viersen (RPO). Es ist alles angerichtet für ein weiteres Billard-Hochamt in der Festhalle. Gestern machte die Eröffnungsfeier mit toller Atmosphäre Lust auf eine stimmungsvolle Weltmeisterschaft der Dreiband-Nationalmannschaften.
Einen solchen Empfang haben die besten Billard-Spieler der Welt in der Festhalle bei 20 vorangegangenen Weltmeisterschaften noch nicht erlebt. Nicht, dass es dem Fachpublikum bisher an Enthusiasmus und Herzlichkeit gemangelt hätte, im Gegenteil. Aber diesmal sind gleich vier Schulklassen da – und die machen einen Betrieb, als ginge es hier nicht um die Billard-WM, sondern mindestens um das Finale von "Deutschland sucht den Superstar".
Interschulischer Jubel
Den von Moderator Rolf Kalb spontan ausgerufenen interschulischen Jubel-Lautstärke-Wettbewerb gewann übrigens das (allerdings in doppelter Klassenstärke angetretene) Clara-Schumann-Gymnasium Dülken vor der Hauptschule Süchteln und dem Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium Viersen. Die Erasmus-Symphoniker sorgten gestern für die feierlichen Momente bei der Eröffnung.
Die Preise
Tagestickets für die WM kosten heutige 18 Euro, Samstag und Sonntag je 20 Euro (Dauerkarte 45 Euro). Viersener Bürger erhalten einen Nachlass von zehn Prozent auf die Ticketpreise bei Vorlage eines gültigen Personalausweises. Team Deutschland A, das zu den Mitfavoriten zählt, greift heute gegen 16 Uhr ins Geschehen ein.
Doch als die Teams einmarschieren, ballert "Eye of the Tiger" aus den Lautsprechern. Wo sich die Billard-WM früher recht betulich präsentierte, tritt heute neben das sportliche Highlight das Event "Weltmeisterschaft". Und das ist gut so. Zwei Großleinwände erleichtern es dem Saalpublikum, das Geschehen im Überblick zu behalten. Statt zwei Kameras gibt es diesmal erstmals vier, die das Geschehen an allen Tischen per Livestream im Internet erlebbar machen (www.wm-viersen.de). Der Anbau wurde zur Autogramm-Lounge umfunktioniert.
Nach jeder Partie lassen sich die Spieler hier blicken, um mit Fans und Zuschauern ins Gespräch zu kommen. Nebenbei setzt Thomas Ahrens, dreifacher Europameister im Billard artistique mit seinen Kunststoß-Einlagen die Gesetze der Physik außer Kraft. Und der Close up-Magier Marco Takis sorgt für nicht minder zauberhafte Kurzweil. Bürgermeister und WM-Schirmherr Günter Thönnessen sieht in der technischen Aufrüstung, im stetig weiter ausgebauten Rahmenprogramm und nicht zuletzt in der tollen Stimmung bei der Eröffnungsfeier "Zeichen, wie wichtig wir in Viersen diesen Sport nehmen".
Dafür dankte Wolfgang Rittmann, Präsident des Europäischen Billard-Verbandes, der Stadt ausdrücklich: "Viersen hält fest an dieser WM, auch in Zeiten, in denen es den Kommunen wirtschaftlich nicht gut geht." In der langen Geschichte des Billard-Sports weltweit habe es noch nie eine Meisterschaft gegeben, die am gleichen Ort ins dritte Jahrzehnt geht. Soll heißen: Viersen ist einmalig.
Das sehen auch die Spieler so. Wie sonst ist es zu erklären, dass auch diesmal wieder von den Top 20 der Weltrangliste 14 Spieler in der Festhalle am Start sind – obwohl es keinen Pfennig Preisgeld gibt? Den Ruf als "Wimbledon des Billard-Sports" hat die WM in der Festhalle nicht von ungefähr.
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