Viersen: Daten-Skandal: Unterlagen sichergestellt
zuletzt aktualisiert: 13.08.2008 - 11:17Im Skandal um die Weitergabe von Bankdaten Tausender Verbraucher ermittelt die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach gegen die Geschäftsführer einer Firma aus Viersen. Bei einer Durchsuchung des Unternehmens am Niederrhein seien am Dienstagabend Unterlagen sichergestellt worden, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch. Die Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz richteten sich gegen mehrere Personen.
Als nächstes sollten die sichergestellten Unterlagen geprüft und die Beschuldigten vernommen werden, sagte der Sprecher. Unter anderem werde auch zu der Frage ermittelt, woher die weitergegebenen Daten stammten. Verbraucherschützer rieten anlässlich des Vorfalls zu einem vorsichtigen Umgang mit den eigenen Daten.
CD mit mehr als 17.000 Datensätzen aufgetaucht
Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein war zuvor anonym eine CD mit den Datensätzen von mehr als 17.000 Bürgern zugespielt worden, die Namen, Adressen, Geburtstage und Kontonummern enthielten. Das Landesdatenschutzzentrum in Kiel erstattete daraufhin Strafanzeige gegen die Viersener Firma, die der Behörde zufolge diese Daten unter anderem an Call-Center weiterverkauft haben soll.
Die Verbraucherzentrale sah einen möglichen Zusammenhang mit jüngsten Missbrauchsfällen: So hätten Glücksspiel-Anbieter nach Werbeanrufen trotz eindeutiger Absage Geld von Konten abgebucht. Dahinter soll eine simple Masche stecken: Solche Marketingfirmen verkauften die Daten an Call-Center, die dann gerade bei älteren Verbrauchern leichtes Spiel hätten.
Ein Sprecher der Verbraucherzentrale hatte am Dienstag gesagt, auffällig sei, dass viele Verbraucher, die sich in jüngster Zeit beschwert hätten, früher Kunden von Glücksspielanbietern gewesen seien. Viele hätten angegeben, vor längerer Zeit Lose der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) per Kontoabbuchung bezahlt zu haben. Die SKL hatte dagegen erklärt, man habe nie Kundendaten an Dritte weitergegeben.
Roth fordert Verbot für Handel mit persönlichen Daten
Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth forderte ein grundsätzliches Verbot für den Handel mit persönlichen Daten. Es sei an der Zeit, das Bundesdatenschutzgesetz grundlegend zu reformieren, damit es den Bedürfnissen der Informationsgesellschaft gerecht werde. Gerade im Bereich der Wirtschaft befinde sich der Datenschutz noch "in der technologischen Steinzeit", betonte die Grünen-Chefin.
Mehrere Verbraucherzentralen rieten zu einem vorsichtigen Umgang mit den eigenen Daten. "Verbraucher sollten sehr sparsam und vorsichtig mit persönlichen Daten umgehen, es also so weit wie möglich vermeiden, ihre Kontonummer im Internet zu hinterlassen oder am Telefon zu nennen beziehungsweise zu bestätigen", sagte Finanzexperte Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin.
Auch bei den Verbraucherzentralen Bayern und Baden-Württemberg liegen Beschwerden von Betroffenen vor, denen unberechtigt Geld von ihrem Konto abgebucht wurde, obwohl sie ihre Bankverbindung nicht weitergegeben hatten. Die Experten rieten Verbrauchern zur regelmäßigen Prüfung aller Buchungen auf dem Girokonto. Wer eine Fehlbuchung entdecke, sollte widersprechen und die Bank auffordern, diese Buchung zu korrigieren.
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