Niederkrüchten: Den Krater verhindern
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 02.02.2008Niederkrüchten (RPO). Zwischen Kaldenkirchen und Breyell plant die Bezirksregierung eine gigantische Auskiesung und einen See. Die Stadt hat kaum Zeit zur Stellungnahme. CDU-Politiker Ingo Heymann will alle Kräfte gegen den Plan mobilisieren.
Mehr oder minder klammheimlich hat die Bezirksregierung in Düsseldorf eine etwa hundert Hektar große Fläche zwischen Kaldenkirchen und Breyell für den Abbau von Kies und Sand ausgeguckt. Es handelt sich um eine gigantisch große Fläche, die von der A 61 im Norden, dem Autobahnzubringer/ B 221, den Ortslagen Schmaxbruch, Bieth, Gier und Natt und dem Wirtschaftsweg bis zum Modellflugplatz in etwa eingegrenzt ist.
Die Stadt setzt derzeit alle Hebel in Bewegung, um sich zu wehren. „Wir führen Gespräche mit dem Kreis und der Landwirtschaftskammer“, berichtet die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche. Von der überarbeiteten Fassung der Pläne sei die Stadt völlig überrascht worden. Die Bezirksregierung überarbeitet den Gebietsentwicklungsplan (GEP) mit dem Ziel, Sondierungsflächen zur Rohstoffausbeutung auszuweisen. Im vergangenen Jahr gelang es der Stadt, Flächen auf den Höhen in Lobberich aus den Plänen herauszuboxen. Schon damals verhielt sich die Bezirksregierung grenzwertig. Niemand glaubt, dass die knappe Beteiligungsfrist rein zufällig genau in die Osterferien fiel.
Verfahren
Termine Nur bis Ende Februar hat die Stadt Zeit, um zu reagieren.
Planungsausschuss Der Planungsausschuss wird am Donnerstag, 14. Februar, um 18.30 Uhr in öffentlicher Sitzung beraten.
Hauptausschuss Im Rahmen der Dringlichkeit soll der Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag, 21. Februar, um 18.30 Uhr in öffentlicher Sitzung einen Beschluss fassen. Denn der Stadtrat tagt erst wieder planmäßig am 11. März – das wäre zu spät.
Wirkung Nettetal kann nur eine Empfehlung nach Düsseldorf schicken. Allerdings haben heftige Proteste anderenorts ihre Wirkung nicht verfehlt.
In großer Eile sammelt die Stadt jetzt jedes Argument, um ein Loch von unglaublich großen Ausmaßen zu verhindern. Viel Zeit bleibt nicht, wie der Vorsitzende des Planungsausschusses, Ingo Heymann, mit großer Verärgerung feststellt. „Wer am wenigsten zuckt, der bekommt die Fläche“, so der Kaldenkirchener CDU-Politiker. Planungsrechtlich sei für die Stadt da „nicht viel zu machen“. Umso mehr setzt er auf Einigkeit in den politischen Parteien und darauf, dass Verbände und Institutionen sowie die Bürger selbst sich wehren. 20 bis 30 Jahre soll ausgekiest werden, zurück bliebe ein großer See.
Wer den Antrag gestellt hat, kann die Stadt trotz aller Bemühungen nicht herausfinden. „Natürlich wird da nicht mit offenen Karten gespielt“, stellt die Beigeordnete fest. Die Zerstörung des Landschaftsbildes zwischen Breyell und Kaldenkirchen sowie der unwiederbringliche Verlust von hundert Hektar guter landwirtschaftlicher Fläche zur Produktion von Lebensmitteln oder Energie-Rohstoffen will sie mit allen verfügbaren Mitteln verhindern. „Es muss ein Aufschrei durch Nettetal gehen, der in Düsseldorf Wirkung zeigt“, hofft Ingo Heymann. Denn ob hohe Kosten allein den Kiesabbau verhindern, ist nicht sicher. Der Markt braucht Nachschub. Möglicherweise fällt dann nicht ins Gewicht, dass umfangreiche Versorgungsleitungen der Stadtwerke auf der Strecke liegen. Die Bahnstrecke könnte technisch problemlos untergraben werden. Schlimm wäre der Verlust sämtlicher Wirtschaftswege (Schulweg), die Biogasanlage in Natt liegt nach Lage der Dinge wohl auch im Gebiet.
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