Viersen: Der Dachs poltert im Keller
VON LAURA SCHAMEITAT - zuletzt aktualisiert: 02.12.2011Viersen (RP). Seit zwei Monaten heizt das Hotel "Zur eisernen Hand" mit einem Blockheizkraftwerk. Während die Anlage das Brauchwasser erwärmt, erzeugt sie gleichzeitig Strom. Hotel-Inhaber Stefan Pauen ist begeistert.
Wenn man die Stufen in Stefan Pauens Keller hinunter steigt, hört man den Dachs schon von Weitem. Er zischt, poltert und rattert. "Zum Glück hören die Gäste das oben nicht", sagt Stefan Pauen, Inhaber des Hotels "Zur eisernen Hand" in der Viersener Südstadt. Der Dachs im Hotelkeller ist jedoch kein Tier sondern der Name der Heizung, die das Hotel mit Strom und warmem Wasser versorgt. Der grüne Kasten ist etwas größer als eine Waschmaschine und unter dem Deckel sieht es nicht viel anders aus als unter der Motorhaube eines Autos. "Der Motor wird mit Gas betrieben und erwärmt somit das Kühlwasser", erklärt Pauen. Das warme Wasser wird dann in einem großen, zylinderförmigen Pufferspeicher gespeichert und in den Heizkreislauf des 850 Quadratmeter großen Hotels geleitet. Zusätzlich treibt der Motor noch einen Generator an, der Strom erzeugt. Das Gerät erzeugt also zugleich Wärme und Strom, die Technik nennt man daher auch "Kraft- Wärme-Kopplung".
Anwendung zuhause
Ein Blockheizkraftwerk für Einfamilienhäuser rentiert sich aufgrund der hohen Anschaffungskosten nur, wenn das Gerät auf viele Betriebsstunden kommt. Für diejenigen, die beispielsweise im Winter lange Zeit im Urlaubsind, rentiert sich ein Blockheizkraftwerk nicht.
Generell ist es ratsam, vor der Anschaffung eine Wirtschaftlichskeitsrechnung durchführen zu lassen.
Vom Bund subventioniert
Das Attraktive an dieser Form der Wärmeerzeugung: Der Strom, den das Hotel selber nutzt, wird von der Bundesregierung subventioniert. Und den überschüssigen Strom können die Pauens in das Stromnetz einspeisen und bekommen dafür auch Geld. Außerdem muss Pauen für das Gas, das der Motor verbrennt, keine Energiesteuer bezahlen. Das ist eine weitere Maßnahme der Regierung, um solche Blockheizkraftwerke für die Bürger attraktiver zu machen.
Rund 30 000 Euro hat Pauen in die neue Anlage investiert. "Bei störungsfreiem Lauf haben wir das –je nach Witterung – nach fünf bis sechs Jahren wieder raus", sagt er.
Ob der Dachs wirklich störungsfrei läuft, kann Stefan Pauen überall auf der Welt überprüfen. Mit einem Benutzernamen und einem Passwort kann er sich auf der Internetseite des Herstellers in das sogenannte Dachs-Portal einloggen und die Daten aus seinem Keller einsehen. Alle zwei Jahre, wenn der Dachs gewartet werden muss, meldet die Anlage sich von selbst bei der Herstellerfirma, die dann Stefan Pauen anruft, um mit ihm einen Termin auszumachen. "Und wenn tatsächlich mal was sein sollte, haben wir noch eine klassische Brennwerttherme, die sich dann automatisch dazu schaltet", so Pauen.
Die Idee der Kraft-Wärme-Kopplung ist im Prinzip nicht neu. "Große Gebäude wie Krankenhäuser oder auch Schiffe nutzen die Technik schon lange", sagt Pauen. Neu ist lediglich, dass die Technik nun zunehmend auch für Mehrfamilienhäuser interessant wird. Zukünftig könnte man eventuell sogar sein Elektroauto an einem Blockheizkraftwerk tanken.
Zusätzlich zu dem Blockheizkraftwerk hat Pauen vor einigen Jahren schon eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installieren lassen. "Den Strom speisen wir komplett ins Netz ein. Früher war das mal rentabel, aber durch die neuen Verträge lohnt sich das kaum noch", sagt er.
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