Kreis Viersen: Der Kreis schwächelt
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 03.06.2009Kreis Viersen (RPO). Den Strukturwandel hat die hiesige Wirtschaft bisher ordentlich gemeistert. Aber frühere Standortvorteile schwinden, un der Kreis hat ein Imageproblem. Die IHK hat den Standort Kreis Viersen analysiert.
Als John Mars vor mehr als 30 Jahren anordnete, eine Niederlassung seines Unternehmens in Deutschland anzusiedeln, nahm er den Planern eine nicht näher begründete Standortwahl ab: Westlich des Rheins sollten sie das Unternehmen ansiedeln.
Ob John Mars sich für die Standortanalyse der IHK Mittlerer Niederrhein interessiert hätte, ist daher fraglich. Sie präsentiert jedenfalls bei Mars ihre neueste Standortanalyse für den Kreis Viersen. Es handelt sich um das Ergebnis und die Auswertung einer Umfrage bei den hiesigen Unternehmen auf Basis von Daten aus dem Jahr 2007. Fazit: Den Strukturwandel hat der Kreis seit 1999 recht ordentlich vollzogen. Im Saldo hat er sogar minimal Arbeitsplätze gewonnen. Denn zwar verlor der Kreis weiterhin Industrieunternehmen und damit mehr als 11 000 Arbeitsplätze dort. Aber auf dem Dienstleistungssektor sowie in Land- und Forstwirtschaft sind noch ein bisschen mehr Jobs geschaffen worden.
Eckpunkte
Schwerpunkte Im Landesvergleich sind Land- und Forstwirtschaft sowie Nahrung und Genuss überproportional vertreten. Noch stark, aber auf dem Rückzug: Textil, Bekleidung, Ledergewerbe.
Verlust Standortvorteile der Vergangenheit sind verloren gegangen, weil die regionale Wettbewerbsfähigkeit abnahm.
Stärken des Kreises sind mit weitem Abstand das hervorragende (Fern-)Straßengerüst und seine zentrale Lage sowie die gute Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Günstig beurteilt werden auch die Verfügbarkeit und die Preisgestaltung für Gewerbeimmobilien. Bisher eher nachrangige Faktoren wie Sicherheit und Sauberkeit in den Ortskernen, Einkaufsmöglichkeiten sowie Freizeit und Naherholung haben sogar etwas an Bedeutung gewonnen.
Negativ schlägt allerdings durch, dass der Kreis von der allgemein günstigeren Beschäftigungsentwicklung während des jüngsten Aufschwungs nur unterdurchschnittlich profitierte. Globalisierung, demografische Entwicklung und die Tatsache, dass es die Wirtschaft wieder weg vom platten Land in die Oberzentren oder ihre unmittelbare Umgebung zieht, wird sich nach Angaben von IHK-Geschäftsführer Rainer Növer mittelfristig gegen den Kreis Viersen wenden. Dazu kämpft der Kreis mit einem Imageproblem. Seine Außendarstellung wird als nicht sonderlich glücklich betrachtet, nach innen wirkt der Kreis kaum auf die Unternehmen. Die Heterogenität der neun Gemeinden im Kreis schlägt da voll durch.
Die Anregung von IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Dieter Porschen, der Kreis solle sich auf seine Stärken besinnen, löste eine kontroverse Debatte aus. Porschen rät nämlich dazu, nur noch direkt an Oberzentren angelehnte Gewerbegebiete voranzutreiben, die günstigen Preise zu bewerben und sonst auf Tourismus zu setzen. Christian Weisbrich (CDU-MdL) und Rolf Adolphs (Wirtschaftsförderung Kreis Viersen ) wiesen dies als wenig hilfreich zurück. Günter J. Zündel warnte davor, die prosperierende Wirtschaft jenseits der Grenze dabei zu vernachlässigen. KOMMENTAR
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