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Brüggen: Der Segen als Aufkleber

VON LAURA SCHAMEITAT - zuletzt aktualisiert: 05.01.2012

Brüggen (RP). Auf die Sternsinger-Tradition wird in Brüggen Wert gelegt. Jedes Jahr ziehen die Kinder vom Pfarrbüro am Burgweiherplatz los und tragen den Segen von Haus zu Haus. Die RP hat sie einen Vormittag lang begleitet.

Sara, Eva, Andreas und Lotte brachten gestern morgen im Neubaugebiet Wildor-Hollmann-Straße in Brüggen den Segen von Haus zu Haus. Die Sternsinger sammeln in diesem Jahr für Kinder in Nicaragua.  Foto:  Busch
Sara, Eva, Andreas und Lotte brachten gestern morgen im Neubaugebiet Wildor-Hollmann-Straße in Brüggen den Segen von Haus zu Haus. Die Sternsinger sammeln in diesem Jahr für Kinder in Nicaragua. Foto: Busch

Gleich beim ersten Haus ist keiner da. Andreas klingelt wie wild, doch keiner öffnet. "Das bringt doch nichts, davon machen die auch nicht auf", ermahnt ihn Sara. Und Eva ergänzt: "Wenn du so weitermachst, dann sind die am Ende noch genervt von uns." Die drei kleinen Könige Andreas, Eva und Sara und ihre Sternträgerin Lotte ziehen weiter, die Wildor-Hollmann-Straße in Brüggens Neubaugebiet entlang. Beim nächsten Haus ist es dann endlich soweit: der erste große Auftritt.

Erst singen die Kinder die erste Strophe von "Stern über Betlehem" und dann sagen Eva, Sara und Andreas noch ein kleines Gedicht auf. Lotte kommt am Ende an die Reihe und fragt, ob die Hausbewohner ihr Haus segnen lassen möchten. Wahlweise gibt es dann einen Aufkleber mit dem Druck "20*C+M+B 12" oder eine Kreideschrift an der Hauswand. Die meisten entscheiden sich für die moderne Variante.

Info

Die Tradition

Erste Erwähnung Im sechzehnten Jahrhundert lässt sich der Brauch des Sternsingens erstmals urkundlich nachweisen. Bis ins 20. Jahrhundert sammelten die Kinder vor allem für ihre eigenen Familien

Zentrale Aktionen Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es zentral gesteuerte Sternsingeraktionen. Gesammelt wird meist für Entwicklungshilfeprojekte für Kinder

Süßes und Äpfel dazu

Familie Bergemann hat schon den Aufkleber vom vergangenen Jahr auf dem Postkasten. "Wenn der Kasten mal ganz voll ist, dann kaufen wir einen neuen Briefkasten", sagt Herr Bergemann lachend. Zum Schluss gibt's noch eine Spende in die blecherne Sammeldose. Die meisten geben zwischen fünf und zehn Euro. "Das geht an arme Kinder in Südamerika", weiß Lotte. Nach Nicaragua, um genau zu sein. Im Kommunionsunterricht haben sie einen Film darüber gesehen.

Womit die Kinder nicht gerechnet haben: Viele Leute geben ihnen auch noch Süßigkeiten oder Äpfel mit. Die kleine Tragetasche von Eva ist bald proppevoll und ganz schön schwer. Also gehen sie zwischendurch zu Lotte nach Hause, essen die Äpfel auf und leeren die Tasche. In dieser kleinen Mittagspause rechnen sie auch aus, dass sie schon mindestens 45 Euro in der Dose haben müssen.

Nach dieser Stärkung geht es wieder los, schließlich müssen sie heute das gesamte ihnen zugeteilte Gebiet schaffen. Sara ist Balthasar und die heimliche Chefin der Truppe. Sie hat das Gesicht mit brauner Schminke eingeschmiert, der blaue Turban rutscht ihr dauernd in die Stirn. "Oh Mann, das nervt voll", beschwert sie sich. Aber deswegen aufgeben? Oder wegen des kalten Windes, der den Kindern um die Ohren pfeift? Niemals. "Das macht doch voll Spaß", meint Lotte, die sich mit dem gold lackierten Stern aus Holz sichtlich abschleppt.

Andreas hat es schwer als einziger Junge in der Gruppe. Wenn er Quatsch macht, wird er von den Mädels zurückgepfiffen. Manchmal vergisst er auch den Text des Gedichtes. Doch Sara ist immer mit dem Textblatt zur Stelle und hilft ihm aus. Das Programm der Sternsinger ist straff. Bis abends müssen sie fast das gesamte Neubaugebiet abgegrast haben. Dafür wird ihnen am Freitag in einem Gottesdienst gedankt.

Quelle: RP/rl


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