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Viersen: Der Staat zählt seine Bürger

VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 20.10.2010

Viersen (RPO). Beim Kreis Viersen haben die Vorbereitungen für den Zensus im kommenden Jahr bereits begonnen. Die Daten von Personen, Haus- und Wohnungsbesitzern zu erfassen, ist aufwendig und personalintensiv.

Ein Zufallsgenerator legt fest, bei wem die Mitarbeiter des Kreises klingeln.   Foto: RPO
Ein Zufallsgenerator legt fest, bei wem die Mitarbeiter des Kreises klingeln. Foto: RPO

Schon Kaiser Augustus verfügte, dass ein jeder in seinem Reich sich schätzen ließe. Das erzählt uns zumindest die Weihnachtsgeschichte. Nun möchte auch der deutsche Staat genau wissen, wie viele Bürger er eigentlich hat. Die bisherigen Statistiken gründen sich auf die Daten der letzten Volkszählung von 1987. Demnach sollen wir 82 Millionen sein. Doch ob die Zahlen noch stimmen, ist zweifelhaft.

"Die Erhebungen von damals sind immer fortgeschrieben worden und inzwischen einfach ungenau", sagt Andreas Budde, Dezernent beim Kreis Viersen. Bei der Behörde haben die Vorbereitungen für das große Zählen bereits begonnen. "Wir sind im Moment dabei, uns um Räumlichkeiten und Personal zu kümmern", berichtet Andreas Budde. Er rechnet damit, dass das Verfahren die Mitarbeiter rund anderthalb Jahre in Anspruch nehmen wird. "Ein halbes Jahr kalkulieren wir für die interne Planung, sechs Monate für die Durchführung und noch einmal genauso lange für die Nachbereitung."

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Speicherung der Daten

Zwei Mitarbeiter der Kreisverwaltung werden das Projekt während der gesamten Zeit begleiten. Für die Interviews der Bürger sollen ausgewählte Freiwillige das Team unterstützen.

Der Kreis sammelt die Daten nur, wertet sie aber nicht aus. Für die langfristige Speicherung als statistische Grundlage werden die erhobenen Zahlen anonymisiert.

Wie das Verfahren im Detail abläuft, ist noch unklar, da das Durchführungsgesetz vom Land Nordrhein-Westfalen auf sich warten lässt. "Wir orientieren uns bislang nur an dem Entwurf." Klar ist jedoch bereits, dass im Gegensatz zur letzten großen Volkszählung in den 80er Jahren diesmal nicht alle Bürger die knapp 50 Fragen zu Nationalität, Religionszugehörigkeit, Familienstand, Bildungsweg und Beruf beantworten müssen.

Nur Haus- und Wohnungsbesitzer bekommen in jedem Fall Besuch vom Kreis, sofern sie nicht online über ihre Immobilien Auskunft geben. "Über die Gebäude gibt es bisher noch gar keine Erfassung. Art und Alter festzustellen, kann jedoch wichtige Informationen für städtebauliche und energetische Sanierungsmaßnahmen liefern", sagt Andreas Budde. Seine Mitarbeiter klingeln darüber hinaus nur an etwa zehn Prozent aller Türen. Ein Zufallsgenerator ermittelt vorher, wer detailliert Auskunft über seine Lebenssituation geben muss.

"Für den Kreis Viersen werden das etwa 30 000 Personen sein. Die Liste mit den Namen bekommen wir direkt von der Bundesbehörde. Darauf haben wir keinen Einfluss." Wer die Fragen nicht persönlich beantworten will, kann das Formular auch am Computer ausfüllen. Die Auskunft ist für die ausgewählten Bürger verpflichtend. Weigern sie sich, droht ein Bußgeld. Doch auch wer keine Kreuzchen auf dem Fragebogen machen muss, kann seine Daten nicht verschweigen. Denn am Stichtag, dem 9. Mai 2011, ruft die Bundesbehörde zeitgleich alle Register der Einwohnermeldeämter ab. Die Informationen zu sammeln sei wichtig, um einen Überblick über die Situation der Bevölkerung zu bekommen.

"Die Pro-Kopf-Verschuldung oder die Arbeitslosenzahlen beruhen derzeit auf Statistiken, deren Basis möglicherweise nicht mehr stimmt. Der Staat muss daher wie ein Unternehmen Inventur machen, um sich einen genauen Überblick zu verschaffen", betont Andreas Budde. So war es schon zu Zeiten des Kaiser Augustus.

Quelle: RP

 
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