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Viersen: Der Täter schoss ohne Vorwarnung

zuletzt aktualisiert: 19.08.2009 - 14:54

Die Polizei bestätigt: Der Täter von Schwalmtal war ein 71-jähriger Rentner. Noch am Nachmittag soll er dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Staatsanwalt will Anklage wegen Mordes erheben. Der Haftbefehl soll noch heute erlassen werden. Demnach hatte der Täter eine Waffe aus einem Nebenzimmer geholt und ohne Vorwarnung das Feuer eröffnet. Sein Ziel: die Anwälte und Gutachter bestrafen, die aus seiner Sicht den Streit um das Haus verschuldeten. Drei Menschen starben.

Der Täter Am Mittwoch informierte die Polizei in einer Pressekonferenz über die bisher bekannten Details zum Tathergang. Sie bestätigte die Berichte unserer Redaktion über die Identität des Todesschützen: Demnach handelt es sich um einen 71-jähriger Rentner aus Unna. Der war in eine schon seit Jahren andauernde Familienfehde verwickelt. Nach der Scheidung seiner Tochter Barbara K. soll er mehrfach mit dem Ex-Ehemann aneinandergeraten und mehrfach durch Gewalttätigkeiten aufgefallen sein. Inzwischen hat er laut Staatsanwaltschaft ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Der Streit Gegenstand der Auseinandersetzung war demnach auch das ursprünglich von dem Ehepaar gemeinsam bewohnte Einfamilienhaus. Eine Zwangsversteigerung stand an. Bei dem Gutachter-Termin zur Schätzung des Hauses habe er plötzlich auf die Personen im Haus geschossen, sagte der leitende Kriminaldirektor Jürgen Schneider auf der Pressekonferenz.

Die Opfer Opfer des Täters wurden zwei Rechtsanwälte (38 und 70 Jahre alt) und zwei Gutachter des Kreises Viersen. Sie hatten sich mit der Hauseigentümerin und Tochter Barbara K. im Flur des Hauses getroffen. Der 71-jährige Rentner sei hinzugekommen. Wenig später soll er sich wieder entfernt haben, um die Waffe aus einem Nebenzimmer zu holen. Er hatte die Pistole offenbar gezielt mitgebracht und einer Plastiktüte versteckt. Dann habe er plötzlich und ohne Vorwarnung auf die Anwesenden geschossen, sagte Schneider. Die beiden Anwälte und ein Gutachter (48) starben. Der zweite Gutachter, ein 50-jähriger Ratsherr aus Mönchengladbach, liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Das Motiv Der Täter wollte offenbar dem Streit um das Haus ein Ende setzen. Er habe ausgesagt, diejenigen bestrafen zu wollen, die das Verfahren in die Länge gezogen hätten. Er habe ein Zeichen setzen wollen, dass so nicht mit ihm und seiner Verwandtschaft umgegangen werden könne. Der 71-Jährige hatte den Angaben zufolge sieben Schuss Munition in seiner Waffe und schoss noch einmal, als die Rechtsanwälte und Gutachter bereits verletzt auf dem Boden lagen. Er habe sichergehen wollen, dass er alle töten werde, erklärte der 71-Jährige der Polizei zufolge in seiner Aussage.

Die wesentlichen Aussagen der Pressekonferenz

Streit ums Haus +++ In dem Haus wohnte dauerhaft die Tochter des Täters. Ihr Vater war offenbar immer wieder zu Gast. Zwischenzeitlich lebte auch ein Untermieter in der Dachgeschosswohnung. Weil der Mieter später das Haus wieder verließ, gab es Streit zwischen den Eheleuten, da dem Ehemann die Mieteinkünfte verloren gingen.

Wie der Täter aufgab +++ Als die Schüsse bereits gefallen waren, telefonierte Barbara K. mit einem Bekannten. Sie schilderte, was sie sah: Blut, Tote und Verletzte. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde der Polizei klar, dass sich der bewaffnete Täter noch im Hause befand. Die Ermittler nahmen Kontakt auf. Es sollen keine Schüsse mehr gefallen sein. Der Beschuldigte kapitulierte, indem er aus einem offenen Fenster heraus mit einem weißen Hemd wedelte. Die Waffe warf er in einen anliegenden Garten.

Der Hintergrund des Täters +++ Bereits im September 2006 war der Beschuldigte mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Er soll zwei Personen mit einem Baseballschläger verprügelt haben. Es kam zu einer Anklage. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt, weil der Täter glaubhaft machen konnte, verhandlungsunfähig zu sein.

Der Hintergrund des Ehepaares +++ Seit 2002 lebten die Hauseigentümer in Trennung. Weil der Ehemann auf der Scheidung bestand, ging auch das Verhältnis zu dem 71-jährigen Vater in die Brüche.

Staatsanwalt betont Heimtücke +++ Der Täter wird im Laufe des Tages dem Ermittlungsrichter vorgeführt, sagt er. Zwischenzeitlich habe es Problem mit seiner Gesundheit gegeben, weswegen er auch keine Aussage gemacht habe. Er soll voraussichtlich wegen Mordes angeklagt werden. Der Staatsanwalt hebt die Heimtücke der Tat hervor. Der Schütze sei in ein Nebenzimmer gegangen, um die Waffe zu holen und habe ohne ein Wort zu sagen geschossen.

Die Waffe +++ Der Täter benutzte eine Pistole, die er in den 90er Jahren von seinem Vater geschenkt bekommen haben will. Zwischenzeitlich hat er nachgeladen. Eine waffenrechtliche Erlaubnis besaß der Täter nicht. Ebenfalls für ihn verfügbar: Hundert Schuss Munition.

Wie es weitergeht +++ Die Polizei stützte sich in ihren Erkenntnissen vor allem auf zwei Zeugenaussagen und die Darstellung des Täters. Die Darstellungen seien nur ein Zwischenstand, betonten die Ermittler. Die Ermittlungen dauern an.

Quelle: AP/AFP/pst

 
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