Viersen: Die Fahrt der Freiheit
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 31.01.2009Viersen (RPO). Der Lobbericher Fotograf Christoph Isenberg legt mit seinem Motorrad 30 000 Kilometer bis nach Kapstadt zurück. Vier Monate ist er unterwegs. Ein Abenteuer – und eine Reise zu sich selbst.
Die Reise
Am 1. Februar muss Christoph Isenberg in Kapstadt sein. Denn kurz danach geht es für ihn zu einem Foto-Shooting nach Miami, Florida.
In einem Internet-Blog unterwww.wuestenritt.de beschreiben Isenberg und sein Begleiter ihre alltäglichen Abenteuer. Dort sind auch weitere Fotos zu sehen.
lobberich Und dann steht da ein Elefant. Bedrohlich hat er die Ohrlappen aufgestellt und trötet. Christoph Isenbergs Motorrad steht zwischen ihm und seiner Familie, auf der anderen Seite der Straße, mitten in der Kalahari. Der Siebentonner marschiert wütend auf den 43-Jährigen zu.
30 000 Kilometer fährt Christoph Isenberg mit seinem Freund Gideon auf einem Motorrad bis nach Kapstadt in Südafrika. Gestartet ist er vor vier Monaten in Hamburg, wo der gebürtige Lobbericher als freier Fotograf arbeitet. Österreich, Ungarn, Griechenland, Türkei, Syrien, Jordanien, Arabien, Ägypten, Sudan, Äthiopien, Kenia, Uganda, Tansania, Malawi, Sambia, Simbabwe, Botswana, Namibia, Südafrika. 19 Länder – ein Abenteuer.
Sie campen wild, nehmen an Opfer-Ritualen teil, treffen auf Menschen aus einer anderen Welt. Christoph Isenberg ist fasziniert: "Afrika hat tausend Augen", sagt er. "Du meinst erst, du seist im Niemandsland – und plötzlich kommen Menschen aus jedem Winkel." Die schauen sich den fremden Weißen genau an, vollziehen jede Handbewegung nach, mustern das Motorrad. Vielleicht ist es gerade das Motorrad, das die Brücke zu den Afrikanern schlägt, mutmaßt Christoph Isenberg. Es ist eines der häufigsten Fortbewegungsmittel auf dem schwarzen Kontinent.
Erst drei Monate vor dem Trip hat er das BMW-Bike gekauft. 20 Jahre lang war er kein Motorrad mehr gefahren. Und dann durch die Wüste, Schlamm und Matsch. Da muss auch die Technik Tribut zollen. Ein Bolzen hätte fast Kapstadt verhindert. Die Aufhängung des Federbeines war gebrochen. Notdürftig repariert ging es weiter – bis zur nächsten Buckelpiste. Dann brach sie wieder. Schließlich streikte auch noch die Benzinpumpe. Erst die nächstgelegene Werkstatt brachte Erleichterung – und die war mehrere hundert Kilometer entfernt in der namibischen Hauptstadt Windhoek.
So aber geht die Fahrt der Freiheit für ihn weiter. "Wir können tun und lassen, was wir wollen", sagt er. Das "Gefühl der Freiheit" klinge zwar nach Klischee. Doch es sei Realität. Jeder Kilometer weiter weg von der Heimat bringt ihn näher zu sich selbst. Er vermisst seine Freundin in Hamburg sehr. Aber er kann sich kaum vorstellen, wie es ist, zurück in den Alltag zu kommen. Er kommt vielleicht nicht als anderer Mensch zurück, aber doch mit größerem Selbstbewusstsein. "Ich habe das Gefühl, immer weiter zu kommen. Hier gibt es Probleme, die sind für uns völlig undenkbar. Und trotzdem geht es immer weiter", sagt der Fotograf.
Er greift nun viel seltener zur Kamera als noch zu Beginn der Reise. Er saugt das Gefühl für die Landschaft und für die Menschen in sich auf. Am Ende wird es vor allem dieses Gefühl sein, das er mitbringt aus Afrika. Und weniger die Fotos.
Doch natürlich auch die. Wie das von dem Elefantenbullen, der auf ihn zugestürmt kommt. Der Koloss hat Christoph Isenberg fast erreicht, als dieser den Motor aufheulen lässt. Das Motorrad ist seine einzige Waffe. Aber die zieht. Abgeschreckt überquert der Elefant zehn Meter hinter dem Lobbericher die Straße. Ein ganz normaler Tag in Afrika.
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