Niederkrüchten: Die ganze Schule tanzt
VON JOCHEN SMETS - zuletzt aktualisiert: 18.06.2008Niederkrüchten (RPO). Im Elmpter Bürgerhaus ist heute Abend eine Bühnenshow der besonderen Art zu sehen. Das Musikensemble „Young Americans“ und die 347 Schüler der Realschule Niederkrüchten haben sie in nur zweieinhalb Tagen einstudiert.
Kerstin, Ellen und Chantal sind ein wenig nervös. Das ist verständlich, denn die Fünftklässlerinnen der Realschule stehen vor ihrer Bühnen-Premiere. Und mit ihnen 344 Mitschüler. Die ganze Realschule singt und tanzt. „Viele werden Talente an sich entdecken, von denen sie gar nicht wussten, dass sie sie haben“, sagt Ross. Der muss es wissen. Denn Ross hat schon jede Menge verschüchterte, nervöse Jugendliche gesehen, die in kürzester Zeit aufgeblüht sind. Ross gehört zu den Young Americans – 40 junge Leute zwischen 18 und 23, die gleichzeitig Sänger, Tänzer, Musiker, Entertainer, Schauspieler und Lehrer sind. Auf seiner Music Outreach Tour gastiert das amerikanische Ensemble in Niederkrüchten und erobert die Herzen der Realschüler mit einem nur viertelstündigen Ausschnitt ihres Könnens im Sturm. „Sehr beeindruckend“, urteilt Jan. „Cool“, sagt Simone. „Voll geil“, meint Janina. Es ist Montagmittag, als sich die ebenso flippigen wie sympathischen Young Americans vorstellen. Bis heute Abend werden sie mit allen Realschülern eine mutmaßlich großartige Show einstudieren. Das Eis bricht schnell: Kayla, Ross, Jeremy, Alicia und Co. schnappen sich ein Schülergrüppchen und studieren die erste Nummer ein. Einige brauchen Anlaufzeit um aufzutauen. Andere finden den Rhythmus so schnell, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Wie Michael: der junge Realschüler, dem die Young Americans-Chefin Merrilee Webb gleich ein Mikrofon mit Gesangs-Aufforderung in die Hand drückt. Michael schmettert mit ohrenbetäubender Unterstützung aller Mitschüler eine Nordkurven-Humba.
Young Americans
Truppe Die Young Americans sind seit 1962 in aller Welt mit ihren Music Outreach Tours unterwegs (www.youngamericans.eu). Höhepunkt war für die Entertainer, die schon mit Weltstars wie Fred Astaire, Ed Sullivan, Bob Hope, Jerry Lewis und Gene Kelly arbeiteten, der Oscar 1967. Sie studieren in einem zweieinhalbtägigen Workshop mit 200-400 Teilnehmern eine komplette Bühnenshow ein.
Kosten Der Beitrag pro Schüler liegt bei 49 Euro. An der Realschule ist es dank Sponsoren gelungen, die Summe auf 28 Euro zu senken.
Ob die Schüler talentiert sein müssen? „Sie müssen vor allen Dingen sie selbst sein“, betont Cody, der als Stage Manager das Hirn der Show ist. Und so wandeln sich Nervosität und Anspannung in Spaß und Mut. Genau das ist das pädagogische Konzept, erklärt der 23-Jährige. Die Young Americans sind Künstler und Lehrer in einem. Sie sind nicht nur in Tanz und Musik geschult, sondern auch in Psychologie und Pädagogik. Mit ihren Music Outreach Tours gastieren sie in Schulen in ganz Europa. Dabei liefern sie nicht nur grandiose Bühnenshows, sondern bewirken viel mehr: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl wird ganz groß. Klassengrenzen verschwinden“, erklärt Lehrer Marcel Franken. Er hat das an seiner vorherigen Schule in Haan bei einem Gastspiel der Young Americans schon selbst erlebt und die Truppe darum nach Niederkrüchten gelotst.
Was die Young Americans in zweieinhalb Tagen mit den Niederkrüchtener Realschülern anstellen, lässt sich heute Abend ab 19 Uhr im Elmpter Bürgerhaus bewundern. Zu erwarten ist eine mitreißende Revue aus Gesang und Tanz, Ballett und Gospelmusik bis hin zu Jazz, Funk, Soul und Rock‘n‘Roll.
Vorstellung Die Show mit den Young Americans und den Schülern der Realschule Niederkrüchten beginnt am heutigen Mittwoch um 19 Uhr im Elmpter Bürgerhaus. Karten: 10 , 5 Kinder und Jugendliche; Abendkasse.
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