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Schwalmtal: Die Lizenz zum Einmischen

VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 25.04.2009

Schwalmtal (RPO). Zum ersten Mal sind in Schwalmtal Schüler der achten Klassen als Bus-Scouts ausgebildet worden. Die Jugendlichen sollen künftig eingreifen, wenn in Bussen geschubst und gepöbelt wird. Eine mutige Entscheidung.

17 Jungen und Mädchen haben den Anfang gemacht und sich als Bus-Scouts ausbilden lassen. Sie fahren vor allem mit der Linie 074 und sorgen für faires Verhalten im Bus. Das Projekt soll fortgesetzt werden.  Foto: RPO
17 Jungen und Mädchen haben den Anfang gemacht und sich als Bus-Scouts ausbilden lassen. Sie fahren vor allem mit der Linie 074 und sorgen für faires Verhalten im Bus. Das Projekt soll fortgesetzt werden. Foto: RPO

Einmal haben Große einen Kleinen angegriffen, im Bus auf dem Weg zur Schule. "Die waren so 18, 19 Jahre alt, und sie haben den Kleinen am Tornister gepackt", erinnert sich Michelle. Die 14-Jährige schaute nicht lange zu. "Ich habe mich vor den Kleinen gestellt und denen gesagt, die sollen ihn in Ruhe lassen. Aber da hatte ich auch ganz schön Angst." In solchen Situationen wird Michelle wahrscheinlich künftig immer wieder mulmig sein. Aber jetzt weiß sie, wie sie sich verhalten muss. Seit gestern ist die Schülerin – und 16 andere Achtklässler mit ihr – ausgebildeter Bus-Scout in Schwalmtal.

Unfall in Brüggen war Auslöser

Info

Scouts mit Ausweis

Seit 2002 bilden die Stadtwerke Krefeld (SWK) Schüler zu so genannten Fahrzeug-Scouts aus. Seitdem durchliefen mehr als 200 Achtklässler von Krefelder und Kempener Schulen die Ausbildung. Die Schüler erhalten Schilder an roten Bändern, die sie sichtbar als Bus-Scouts ausweisen. Außerdem gibt es ein Zertifikat, das die Schüler bei Bewerbungen auch beilegen können.

Zum ersten Mal haben jetzt in Schwalmtal 13 Schüler der Janusz-Korczak-Realschule und drei des St. Wolfhelm-Gymnasiums den Lehrgang durchlaufen. Das Gemeinschaftsprojekt von Gemeinde, Kreisjugendamt, Polizei, der Kraftverkehr Schwalmtal und der Stadtwerke Krefeld (SWK) soll für mehr Sicherheit an Bushaltestellen und in Bussen sorgen. Denn dort wird immer wieder geschubst, gedrängelt, gepöbelt und randaliert. Die Bus-Scouts sollen in den Bussen bei Streitigkeiten zwischen den Kindern und Jugendlichen vermitteln.

Anlass für das Projekt war ein Unfall am Brüggener Busbahnhof im Januar 2007, bei dem ein zehnjähriger Junge unter einen heranrollenden Bus gestoßen und schwer verletzt worden war. Der Busbahnhof war daraufhin umgebaut worden, auch die Bushaltestelle am Schwalmtaler Schulzentrum wurde mit Schildern und Markierungen "aufgerüstet". Aber "Drängeln und Schubsen im Bus ist ein Dauerthema, das auch bei Elternabenden immer wieder zur Sprache kommt", sagt Silvia Buske, Jugendschutzbeauftragte beim Kreisjugendamt. Die Jugendlichen bestätigen das. "Oft ziehen die Großen die Kleinen von den Sitzen und nehmen ihnen den Platz weg", erzählt Philip (14). "Die Kleineren werden runtergemacht", sagt die gleichaltrige Sarah, "die haben keine Chance."

Beate Hake, Teamleiterin bei der SWK, und die Polizei übernahmen das Training der Bus-Scouts. In Rollenspielen lernten die Schüler, wie sie selbstbewusst auftreten und kritische Situationen einschätzen. Sie sollen faires Verhalten im Bus fördern – aber sich nicht selbst in Gefahr bringen. Davor hatten auch Eltern Angst. "Es war nicht leicht, Schüler zu finden, die diese Aufgabe übernehmen wollen", berichtet Buske, "viele fürchteten, bei Streitigkeiten selbst in Visier der Störenfriede zu geraten". Künftig sollen die Bus-Scouts nur im Team auftreten, vier Lehrer sind ständige Ansprechpartner für die Streitschlichter im Bus.

Auch die Busfahrer profitieren von der Anwesenheit der Bus-Scouts, sagt Elmar von der Forst von der Kraftverkehr Schwalmtal: "Die Busfahrer tragen enorme Verantwortung. Es ist eine unglaubliche Entlastung für sie zu wissen, dass noch jemand im Bus aufpasst."

Quelle: RP

 
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