Kreis Viersen: Die Nette bleibt in ihrem Bett
VON JOACHIM NIESSEN UND DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 31.08.2010Kreis Viersen (RPO). "Wir haben noch einmal Glück gehabt", fasste gestern Mittag Professor Dietmar Schitthelm, Chef des Niersverbandes in Viersen, die Hochwassersituation an der Niers zusammen. In der Tat war die Lage angespannt. Ein wichtiger Punkt: Der Nierssee zwischen Viersen und Mönchengladbach war vollgelaufen. Schitthelm: "Eine Situation, die nur alle drei bis fünf Jahre vorkommt. Dort werden derzeit 200 000 Kubikmeter Wasser festgehalten, mehr geht nicht." Gleichzeitig stehen unter anderem die Clör und der Hammer Bach ebenfalls voll Wasser, weil diese nicht in die Niers abfließen können. "Dieser Zustand kann noch einige Zeit anhalten. Der Scheitelpunkt des Hochwassers ist allerdings inzwischen an Viersen vorbei", so Schitthelm.
Seen halten Wasser zurück
In Nettetal ist die Lage dagegen entspannt. Die Nette und ihre Nachbargewässer haben die Regenmengen der vergangenen Tage problemlos aufnehmen können, ohne über die Ufer zu treten. "Wir haben bereits in den 90er Jahren in den Nebengewässern Rückhaltebecken errichtet, In diesen Grünbereichen können wir das Wasser gezielt anstauen und über Schlitze und Rohre kontrolliert wieder abfließen lassen", berichtete Volker Dietl, Geschäftsführer des Netteverbandes. Er betonte, dass darüber hinaus die Netteseen wie natürliche Rückhaltebecken funktionierten. "Dort haben wir ebenfalls Auslassbauwerke, die das Wasser drosseln und anschließend in kleinen Mengen weiter fließen lassen." Da die Seen zusammen eine Wasserfläche von rund 180 Hektar hätten, bestehe auch nicht die Gefahr, dass sie über ihre Ufer treten. Die Feuerwehr hatte trotz der ergiebigen Regenfälle in Nettetal nicht ausrücken müssen, um Keller leer zu pumpen und Abflüsse freizulegen. "Es war sehr ruhig. Alles ist trocken geblieben", sagte Feuerwehrsprecher Dirk Heussen.
Große Regenmengen
Ursache für die großen Wassermengen ist der ungewöhnlich regenreiche August. "Normal sind 65 bis 70 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, in den vergangenen vier Wochen hatten wir rund 300 Prozent mehr", beschreibt Dietmar Schitthelm die Situation. Seit Aufzeichnung der Daten Ende des 19. Jahrhunderts habe es solche Mengen noch nicht gegeben: "Wir sind an der absoluten Leistungsfähigkeit unseres Entwässerungssystems angekommen. Hier macht sich natürlich auch der Klimawandel bemerkbar."
Mit Blick auf die Wassermassen, die in den vergangen Tagen im Norden Nordrhein-Westfalens niedergegangen sind, resümierte Viersens Feuerwehrchef Kersbaum: "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen." In den nächsten Tagen soll es trocken bleiben.
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