Schwalmtal: Die Opfer der Bluttat
VON INGRID FLOCKEN, GABI LAUE UND BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 19.08.2009 - 22:04Nach dem Amoklauf eines 71-Jährigen im Schwalmtaler Ortsteil Amern zeigte sich gestern der Landrat des Kreises Viersen, Peter Ottman, tief bestürzt. Zwei Kreis-Mitarbeiter waren vor Ort gewesen, als der Rentner das Feuer eröffnete.
"Zu unser aller Entsetzen gehört einer der Mitarbeiter zu den Todesopfern", so Ottmann. Der zweite wurde schwer verletzt und gestern in eine Spezialklinik verlegt. Er ist außer Lebensgefahr. Beide Männer waren Mitarbeiter des Vermessungs- und Katasteramtes des Kreises und bei dem Ortstermin in Amern dabei.
Die Mitarbeiter der Verwaltung seien "tief betroffen von den Ereignissen, die uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen" hätten, so Ottmann weiter. Eine Vorwarnung für die Mitarbeiter, in was für eine Situation sie in Amern geraten könnten, gab es nicht. "Es gibt keine Verhaltensanweisungen für solche Fälle", sagt Kreispressesprecher Kaspar Müller-Bringmann.
"Wenn man wüsste, dass es gefährlich wird, würde man den Termin gar nicht wahrnehmen." Die Arbeit beim Katasteramt sei "normalerweise ein völlig ungefährlicher Job".
Streitigkeiten in der Familie des Täters waren bekannt
Wie Nachbarn am Tatort berichteten, sei die Polizei öfter am Margeritenweg gewesen, um Streitigkeiten in der Familie zu schlichten. Bei dem Mitarbeiter des Katasteramtes, der am Dienstag zu Tode kam, handelt es sich um den 48-jährigen Michael Rosenkranz aus Brüggen. Die Bluttat von Amern bedeutet vor allem für seine 13-jährige Tochter einen schweren Schicksalsschlag. Ihr Vater hatte erst im vergangenen Jahr seine Frau beerdigt.
Der Amerner Pastor Wilhelm Kursawa äußerte sich erschüttert: "Die Familie kenne ich sehr gut, sie hat wirklich ein schweres Schicksal zu tragen." Die Mutter sei bei der Geburt des Kindes ins Koma gefallen. Die Familie hatte in Brüggen gewohnt, die Großmutter in Tönisvorst kümmerte sich um das Mädchen. Rosenkranz war im Ort äußerst beliebt.
Brudermeister Thomas Wolf, der eine Tochter im gleichen Alter hat, spricht von einem tragischen Verlust für die St.-Antonius-Schützen in Born, in der Rosenkranz seit 26 Jahren Mitglied war: "Er war sehr hilfsbereit. Wann immer man etwas brauchte, war er sofort zur Stelle. So wie man sich einen Freund eben vorstellt."
Zwei Anwälte unter den Toten
Unter den Toten sind auch zwei Anwälte. Der eine, Jens Kunkel aus Nettetal, wäre im November 39 Jahre alt geworden. Er wuchs in Krefeld auf, im Ehemaligenverein seines Gymnasiums war er immer noch engagiert. Kunkel übernahm 2001 die Kanzlei in Nettetal. Der junge Familienvater sei ein lebensfroher Mensch gewesen, der "im Beruf Ernsthaftigkeit bewies, es in der Freizeit aber auch verstand, Späße zu machen", erinnert sich Wolfgang Hüskes, Vorsitzender des Ehemaligenvereins und ehemaliger Lehrer des 38-Jährigen.
So kennt ihn auch der Nettetaler Anwalt Jürgen Boyxen: "Er war ein ganz stiller, ruhiger, sympathischer Kollege." Die Nachricht habe die Kollegen sehr geschockt, sagt Ulrich Hattstein vom Krefelder Anwaltverein. "Jeder von uns hätte da stehen können. Solche Termine nimmt jeder von uns wahr."
Das dritte Todesopfer, der Viersener Rechtsanwalt Hermann Pötter (70), war im Viersener Ortsteil Dülken sehr engagiert. Die Dülkener sind fassungslos, dass ein Unbeteiligter Opfer einer solchen Wahnsinnstat werden konnte. Michael Aach, Dülkens Ortsbürgermeister und als CDU-Vorsitzender Nachfolger des Vierseners: "Pötter war 20 Jahre lang CDU-Vorsitzender hier in Dülken. Er hat sich immer ganz und gar für seine Heimatstadt engagiert."
Schwer verletzt wurde der ebenfalls beim Kreis tätige Bernd Püllen (50) aus Mönchengladbach, Ratsherr für die Freie Wählergemeinschaft (FWG). Dort ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender und designierter Nachfolger von Parteigründer Erich Oberem. Er wurde durch einen Bauch- und Gesichtsschuss schwer verletzt, war aber gestern außer Lebensgefahr. Püllen ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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