Brüggen: Disko nur für Deutsche
VON DIETER MAI - zuletzt aktualisiert: 31.01.2008Brüggen (RPO). In der Brüggener Diskothek Brösel sind ausländische Gäste nicht erwünscht. Viersener Gymnasiasten sollten zur Vorabiparty eine Ausländerliste vorlegen. Als sie es nicht taten, wurde drei Mitschülern der Zutritt verwehrt.
Schon Ende 2006 ging die Nachricht durch die Presse und löste große Empörung in allen politischen Lagern aus: In der Brüggener Diskothek „Brösel“ haben ausländische oder auch nur „ausländisch aussehende“ Besucher keinen Zutritt. Dass sich an dieser Praxis nichts geändert hat, mussten jetzt die Organisatoren einer im Brösel geplanten „Vorabifete“ des Viersener Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums am eigenen Leib erfahren. Mitten in den zu diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschrittenen Party-Vorbereitungen – die Flyer waren gedruckt, Einladungen verschickt – wurden die Schüler lapidar darauf hingewiesen, doch bitte an die „Ausländerliste“ zu denken.
Vorabifeten
Abiball: Die Ausrichtung eines Abiballs anlässlich der bestandenen Hochschulreife ist seit Jahren fester Bestandteil der Abitur-Feierlichkeiten nicht nur im Raum Viersen.
Vorabi-Partys: Zur Finanzierung eines angemessen feierlichen Abiballs hat sich die Veranstaltung mehrerer so genannter Vorabi-Parties als geeignete Maßnahme erwiesen. Dazu werden in angesagten Szene-Locations Disco-Abende veranstaltet, deren Erlöse jeweils das Ball-Budget aufstocken helfen.
Die Gymnasiasten sollten dem Betreiber am Veranstaltungsabend eine Liste mit den Namen ihrer ausländischen Mitschüler vorlegen, damit diese vom Türsteher zu ihrer eigenen Party eingelassen werden können. In einer eilends einberufenen Schülerversammlung der Jahrgangsstufe 12 wurde daraufhin beschlossen, wegen bereits investierter Arbeit, Zeit und Geld diese eine Party noch im Brösel zu veranstalten, sich aber für die nächsten Vorabipartys nach einer anderen Location umzusehen.
Die geforderte Ausländerliste wollten die Schüler auf keinen Fall vorlegen. Ein Schülervertreter: „Mal abgesehen vom diskriminierenden Charakter einer Ausländerliste dürfen wir schon aus Gründen des Datenschutzes so eine Liste gar nicht herausgeben.“ Auf telefonische Anfrage bestätigte Brösel-Chef Jörg Johannböke freimütig die Anweisung an seine Türsteher, Ausländer grundsätzlich abzuweisen, und begründete dieses Vorgehen mit der Wahrung der Sicherheit seiner Gäste. Der Diskotheken-Betreiber, der vor gut einem Jahr noch beteuert hatte, „dass unsere ausländischen Mitbürger weiterhin eingelassen werden“, zeigte sich aufgebracht über die kritische Haltung der Gymnasiasten und behielt sich vor, in Zukunft auf die Ausrichtung von Vorabipartys zu verzichten. Er verstehe die Aufregung nicht, „der Anteil ausländischer Abiturienten ist ohnehin so gering, dass man darum nicht so ein Aufhebens machen muss“.
Vergangenen Freitag fand die Party schließlich statt. Drei türkischstämmigen Mitschülern der veranstaltenden Jahrgangsstufe 12, von denen einer sogar einen deutschen Pass vorweisen konnte, wurde der Eintritt zur eigenen Fete ohne Angabe von Gründen verwehrt.
Den Schülervertretern wurde mitgeteilt, dass es für das Erasmus-Gymnasium keine Feier mehr im Brösel geben werde, weil wegen der „Ausländerliste“ die Presse ins Spiel gebracht worden sei. Dass sich für sie das Brösel zu diesem Zeitpunkt als Veranstaltungsort längst disqualifiziert hatte, behielten die Viersener Schüler da lieber für sich – aus Sorge, im Streitfall nicht den ihnen zugesagten Gewinnanteil der Veranstaltung ausgezahlt zu bekommen.
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