Viersen: Diskussion um Denkmalschutz
VON PAUL OFFERMANNS - zuletzt aktualisiert: 03.09.2008Viersen (RPO). Volles Haus hatte der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) Dülken zum Thema „Dülken – eine Stadt im Wandel – Überlegungen zur Revitalisierung aus Sicht der Denkmalpflege“ im Trauzimmer des Standesamtes. Dr. Marco Kieser von der Rheinischen Denkmalpflege, Abtei Brauweiler, führte die Zuhörer durch Dülkens Gassen an denkmalgeschützten Häusern, durch Straßen, an Denkmälern und Stadtmauer vorbei. Nicht zu vergessen die Pfarrkiche Cornelius im Herzen von Dülken.
Großes Potenzial
Kieser erklärte, warum Häuser und Industriebauten nicht unter Denkmalschutz stehen oder warum ausgerechnet dieses oder jenes Gebäude denkmalwürdig ist. Gerade bei den Fabrikgebäuden bescheinigte er den Dülkener noch ein großes Potenzial für die Denkmalpflege. Neue Gebäude, wie das Corneliushaus, passten ins alte Stadtbild von Dülken. Kieser erzählte auch, dass das Gebäude der Landwirtschaftsschule erst interessant wurde, weil es von Max Kiefer, einem Obersten der SS-Nazizeit geplant worden war. Der Denkmalexperte sprach von 238 Gebäuden, die in Dülken als denkmalwürdig eingestuft sind.
Einige der Zuhörer hätten sich gewünscht, Kieser hätte mehr zur Revitalisierung von Dülken herüber gebracht – am Beispiel der Belebung des Einzelhandels und des Wohnumfeldes. Beim so genannten Mostertzhaus am Eligiusplatz, das nicht unter Denkmalschutz steht, erhitzten sich die Gemüter. Es ist bei diesem Haus die Rede davon, dass es der Abrissbirne zum Opfer fallen und dort ein Hotel entstehen soll. „Das Mostertzhaus ist für Dülken unverzichtbar. Politik und Verwaltung mit ihrer Unterstützung muss dafür sorgen, dass es erhalten wird“, appellierte Vorsitzender Dr. Albert Pauly vom Viersener Heimatverein an die Adresse des VVV. Dr. Arie Nabrings vom VVV sagte dazu: „Das Problem ist doch, wie gehe ich mit einem Denkmal um? Wie nutze ich es, wenn ich es nicht finanzieren kann? Was mache ich daraus, gibt es eine wirtschaftliche Lösung? Und – wir müssen auf ein Denkmal verzichten, wenn es nicht wirtschaftlich ist.“
Stadt sucht Käufer
Das Alte Waisenhaus am Eligiusplatz sei gesichert. „So muss über das Mostertzhaus nachgedacht werden“, sagte Bürgermeiser Günter Thönnessen: „Wir suchen händeringend einen Käufer, der das Haus für kleinen Preis kauft, pflegt und weiterentwickelt. Die Stadt kann das nicht übernehmen.“ Er fügte noch hinzu: „Viele Menschen haben doch Angst vor der Denkmalpflege.“ Grammophon-Sammler Volkmar Hess plädierte dafür, dass der VVV das Gebäude kauft und erhält. Für seine Musikgeräte könnte dort ein Museum eingerichtet werden: „Damit die Ausstellung aus Dülken nicht abwandert.“
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