Viersen: Draußen tobt das Leben
zuletzt aktualisiert: 06.06.2009Viersen (RPO). Jugendpolitik ist ein extrem beweglicher Prozess und muss es auch bleiben. Ein Stillstand in diesem Bereich könnte katastrophale Folgen haben. Deswegen muss es auch erlaubt sein, kritische Fragen zu stellen. Wenn Freizeiteinrichtungen nur noch drei Prozent der Jugendlichen erreichen, schrillen die Alarmglocken. Da für die "Insel" das Lebensumfeld Schule wegfällt, stellt sich hier automatisch die Standortfrage: Ist die Institution künftig überhaupt noch ausgelastet, muss sie nicht auf die Berliner Höhe – wo sie gebraucht wird? Viersen muss weg von der fast ausschließlichen "Komm-Mentalität". Wenn 97 Prozent der Jugendlichen solche Einrichtungen nicht mehr aufsuchen, sollten die (politisch) Verantwortlichen für Veränderungen offen sein. Eine Möglichkeit: Sozialarbeiter müssen verstärkt auf die Straße. Wer bereit ist, sich mit den unmittelbaren Problemen der Mehrzahl der Jugendlichen vor Ort auseinanderzusetzen und deren Wünsche kennenzulernen, ist auch in der Lage, auf spezielle Dinge einzugehen. Feste Freizeiteinrichtungen sind mit Sicherheit kein komplettes Auslaufmodell. Doch sie verführen – so manchen Mitarbeiter – dazu, es sich drinnen bequem zumachen, während draußen das Leben tobt. JOACHIM NIESSEN
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