Schwalmtal: Dubiose Spendensammler in Waldniel
zuletzt aktualisiert: 31.01.2009Schwalmtal (RPO). Es klingelt an der Tür, eine Waldnielerin (Name der Redaktion bekannt) öffnet. Ein Mann steht davor, er zeigt einen Sammlerausweis und sagt, er käme vom gemeinnützigen Verein "Marienstift für Nachbarschaftshilfe e.V.". Der Verein sieht sich nach eigenen Angaben als "Hilfsdienst, der es sich zur ideellen Aufgabe gemacht hat, durch tatkräftige und kompetente Hilfe die bestehenden Lücken in der Alten- und Krankenbetreuung zu schließen. Darüber hinaus setzen wir uns sowohl national als auch international, zum Beispiel durch Kinderpatenschaften, für bedürftige Kinder und Jugendliche ein". So steht es auf der Internetseite des Vereins. Konkrete Angaben, für welche Projekte die Spenden verwendet werden, sind dort aber nicht zu finden. Das machte die Waldnielerin, die von dem Spendensammler einen Handzettel entgegennahm, stutzig. Dennoch habe sie in dem Glauben, eine gute Sache zu unterstützen, dem Sammler vier Euro gegeben, berichtet sie. Die Vermutung liegt nahe, dass die Spendensammler des Vereins derzeit überall in Schwalmtal unterwegs sind.
In den vergangenen Jahren ist der Verein vor allem durch Negativ-Schlagzeilen in der Presse aufgefallen. Immer wieder wurde über den Verein berichtet, wenn Sammlungen getätigt wurden – vor allem deshalb, weil der Verein mit Sitzen in Köln, Neuss und Berlin keine genauen Angaben machte, welchen Projekten die Gelder zuflossen. Ansprechpartner oder Schirmherren fehlen auf der Homepage im Internet ebenso wie Verlinkungen zu Hilfsprojekten, die durch den Verein unterstützt werden.
Kein Spendensiegel
Gegen die Spendensammler hat die Gemeinde keine Handhabe. Seit 1998 kann in NRW nämlich ohne Genehmigung gesammelt werden. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin (DZI) kennt das "Marienstift für Nachbarschaftshilfe": "Wir erhalten regelmäßig Anfragen zu dieser Organisation von verunsicherten Bürgern", berichtet Burkhard Wilke, DZI-Geschäftsführer. Doch trotz mehrfacher Anfragen durch sein Institut habe der Verein nie Unterlagen eingereicht, die Aufschluss über die Verwendung der Spendengelder gäben. Daraus allein ließe sich noch keine negative Einschätzung abgeben, sagt Wilke. Ein DZI-Spendensiegel hat der Verein jedenfalls nicht. Grundsätzlich rät Wilke, sich von Sammlern nicht unter Druck setzen zu lassen. "Wenn man die Organisation nicht als seriösen Verein kennt, sollte man die Haustür zumachen."
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