Viersen: Ein Ausblick wie ein Gemälde
VON SANDRA BROUWERS - zuletzt aktualisiert: 10.07.2008Viersen (RPO). Leo und Gertrud Scheuten wohnen im großen Wohnhaus an der Nordstraße in Lobberich. Errichtet wurde es auf Initiative von Niedieck-Mitarbeitern in den 1960er-Jahren. Es richtete sich nach Bedürfnissen von Schichtarbeitern.
Lobberich 126 Stufen. So viele sind es bis zur Wohnung von Gertrud und Leo Scheuten. Die beiden leben in einem der größten Wohngebäude in Nettetal. Sie wohnen an der Nordstraße in Lobberich in der achten Etage eines Mehrfamilienhauses. Gut, dass neben der Treppe auch ein Aufzug vorhanden ist.
Leo Scheuten stützt sich auf seinen Gehstock, doch sein verschmitztes Lächeln lässt den über 80-Jährigen jung wirken: „Wir wollten uns für Olympia anmelden, doch die sagten, wir sind einfach zu schnell auf den Beinen“, witzelt er. Mit seiner Frau lebt er seit Errichtung des Gebäudes vor über 40 Jahren in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung. „Die Idee für den Bau hatte damals ein Mitarbeiter der einstigen Firma Niedieck“, erzählt Leo Scheuten. Er war mehr als 25 Jahre Betriebsrat in dem Textilunternehmen. Für ihn lag seinerzeit der Vorteil der Wohnung auf der Hand: Von hier aus war es ein kurzer Weg zum Arbeitsplatz. Denn Niedieck lag an der nahen Bahnstraße, die erst später in Niedieckstraße umbenannt wurde.
Spezielles Konzept
Wohnungen Es gibt 44 Wohnungen in dem Haus, in denen etwa 80 bis 100 Menschen leben. Von der Vier-Zimmer-Wohnung bis zum Ein-Zimmer-Appartement ist alles vertreten.
Schichtarbeit Da bei Niedrick in Schichten gearbeitet wurde, waren die Wohnungen auch über zwei Etagen so konzipiert, dass jeweils Schlafzimmer über Schlafzimmer und Wohnzimmer über Wohnzimmer lag. So behinderten sich die Schichtarbeiter nicht gegenseitig in ihrer Ruhephase.
Das Haus beherbergt heutzutage fast 100 Menschen. Das Wohnungsangebot ist vielfältig, beinahe jede gewünschte Größenordnung ist vorhanden. Die Scheutens haben sich an die große Nachbarschaft längst gewöhnt. „Dass es hier nicht immer leise ist, ist verständlich. Doch das stört uns überhaupt nicht“, sagt Frau Scheuten großzügig. Rücksichtsvolle Nachbarn achten eben auf ihre Mitmenschen. „Eine Nachbarin ist sogar so nett, dass sie immer wenn gebacken wird uns und anderen Nachbarn gerne einige Stücke Kuchen anbietet, “ freut sich die Rentnerin.
Auch sie hat einst bei Niedieck gearbeitet. „Da haben wir uns auch kennengelernt“, sagt Leo Scheuten und blickt seine Frau liebevoll an. „In drei Jahren haben wir Diamantenhochzeit“, fügt er hinzu. Gemeinsam engagieren sich beide im Verein „Einigkeit Sassenfeld.“ Leo Scheuten hat noch eine weitere Leidenschaft: einen eigenen kleinen Garten im Sassenfeld. Darin steht ein Holzhaus, in dem er gerne Holzschnitzereien anfertigt. „Wenn das Wetter gut ist, fahre ich jeden Tag dorthin.“
Es ist quasi die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Denn Scheuten verbrachte hier seine Jugend, der Garten gehört zum Familienbesitz. „Tja, ich komme vom Dorf, meine Frau aus der Stadt“, erzählt er über seine „Ex-Verlobte“, wie er sie gerne nennt. Er kennt noch gut die Zeit, als das Sassenfeld und Lobberich noch als komplett getrennt betrachtet wurden. Doch er selbst lebt gerne in der Nordstraße: „Bei diesem Ausblick“, sagt er und zeigt lächelnd auf das große Wohnzimmerfenster. Der Blick reicht bis nach Hinsbeck und an klaren Tagen sogar bis nach Venlo. „Der Ausblick ist wie ein wunderschönes Gemälde“, pflichtet im seine seine Frau bei.
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