Kreis Viersen: Ein Auto für 1,70 Euro
VON SABINE SCHMITT - zuletzt aktualisiert: 21.10.2006Kreis Viersen (RPO). Die einen können sich kein eigenes Auto leisten, die anderen wollen es nicht. Sich mit anderen ein Auto zu teilen, kommt beiden entgegen. Das Konzept heißt Carsharing und ist was fürs kleine Portemonnaie.
Albert Sturm (52) sitzt seit seinem Schlaganfall im Rollstuhl und hat keine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Seine Lebenspartnerin Karin Schmitz (48) ist gebrechlich und deshalb Frührentnerin. Auf dem Papier ist er zu 100 Prozent behindert, sie zu 80 Prozent. „Uns geht es finanziell schlechter als einem Hartz-IV-Empfänger“, sagt Karin Schmitz. „Wir sparen uns vom Munde ab. Aber ich will nicht jammern.“ Ab und zu im Auto unterwegs zu sein. Das nennt das Paar Luxus. Ein eigenes Auto können sich die beiden nicht leisten. Steuern, Versicherung, Werkstatt - all das ist für ihr Portemonnaie zu teuer. Zumal sie nicht dauernd ein Auto benötigen, und ein Auto aber auch dann kostet, wenn es still steht. Dass Albert Sturm und Karin Schmitz trotzdem manchmal zum Supermarkt oder Freunde besuchen fahren können, macht Car-sharing möglich. Einmal im Monat gönnen sie sich das.
Die Autos
Wie viele Carsharing Niederrhein hat zurzeit zwölf Autos.
Welche Vom Kleinwagen bis zum achtsitzigen Minibus. Als Kunde heute den Kleinwagen, morgen den Kombi und übermorgen den Bus zu mieten, ist kein Problem.
Wo Die Carsharing-Autos stehen derzeit in Viersen, Brüggen-Born, Mönchengladbach, Krefeld und Neuss.
Gefallen am Carsharing haben aber längst nicht mehr nur Menschen, die sich kein Auto leisten können. Es sind auch immer mehr solche, die es nicht wollen, weil es sich für sie nicht lohnt.
Marion Voelkel gründete vor vier Jahren Carsharing Niederrhein. Mittlerweile hat sie 200 Kunden aus allen Schichten - darunter sind Familien, Geschäftsleute und Politiker.
Das kostet Carsharing Carsharing Niederrhein verleiht Autos ab 1,70 Euro pro Stunde. Dazu kommen 20 Cent pro gefahrenen Kilometer. Im Preis drin sind: Die Vollkasko-Versicherung, der Sprit und – falls nötig – Winterreifen, Schneeketten, Kindersitze oder Dachgepäckträger. Rechenbeispiele: Eine dreistündige Einkaufsfahrt mit zehn Kilometern im Kleinwagen kostet 7,70 Euro. Vier Stunden und 30 Kilometer im Kombi kosten 17,60 Euro. Wer Carsharing nutzt, muss allerdings monatlich acht Euro Grundgebühr zahlen. Die Anmeldung kostet einmalig 50 Euro. 300 Euro müssen als Kaution hinterlegt werden (mit ÖPNV-Abo-Ticket der Niederrheinwerke oder Studentenausweis sind es 150 Euro). Carsharing Niederrhein schickt seinen Kunden einmal im Monat eine Rechnung.
Die Formalitäten Wer mitmachen will, muss erst einen Termin vereinbaren und einen Vertrag unterzeichnen. Führerschein und Personalausweis mitbringen.
Auto buchen, suchen und losfahren Wer fahren will, muss vorher übers Internet oder telefonisch ein Auto buchen. Das geht rund um die Uhr. Die Autos haben feste Stellplätze. In Viersen sind das die Bushaltestelle Feldmühle, in Brüggen-Born die Bushaltestelle Kreuzstraße. Geplant ist eine Ausweitung des Angebots für das erste Halbjahr 2007 nach Lobberich und Kempen, außerdem soll’s einen weiteren Standort am Viersener Bahnhof geben. Wer angemeldet ist, hat eine Chipkarte. Mit der kann jedes der Autos von Carsharing Niederrhein geöffnet werden. Die Zündschlüssel liegen immer im Handschuhfach.
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