Viersen: Ein christliches Angebot
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 30.01.2009Viersen (RPO). Wenn's um Geld geht, hört die Freundschaft auf. Die Zugehörigkeit zur Kirche manchmal auch. Pfarrer Dr. Matthias Engelke möchte dem Kirchenaustritt der Steuer wegen etwas entgegensetzen.
Lobberich/Hinsbeck "Wenn's um Geld geht, hört Gemeinde nicht auf!" So steht es, versehen mit einem energischen Ausrufezeichen und unterstrichen, auf einem grünen Zettel, der seit kurzem im Pfarramt und in den beiden Kirchen in Lobberich und Hinsbeck ausliegt.
Pfarrer Engelke ist ein Mann, der gern etwas ausprobiert. Die grünen Zettel im Din-A-4-Format sind Teil einer von ihm neu gestarteten Kampagne, die Gemeindeglieder vom Kirchenaustritt des Geldes wegen abhalten soll. Sie richtet sich an Christen, die finanzielle Probleme haben und deshalb überlegen, die Kirche zu verlassen. "Ich möchte einen anderen Weg aufzeigen", sagt der Pfarrer. "Wenn jemand in Not ist, wäre es für ihn unsinnig, aus der Gemeinde auszutreten."
Er macht Betroffenen ein Angebot: Die Austrittswilligen bleiben der kirchlichen Gemeinschaft zugehörig. Die von ihnen real bezahlte Kirchensteuer – also die Summe nach Lohnsteuerjahresausgleich – überweist die Gemeinde ihnen zurück aufs Konto. Nicht auf ewig, sondern über einen vereinbarten Zeitraum. "Das ist ein diakonisches Projekt", sagt Pfarrer Engelke. Es kann über das Zurückzahlen der Kirchensteuer hinausgehen. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen den Kontakt mit dem Pfarrer suchen. "Im Gespräch ergibt sich die Gelegenheit, auf weitere Unterstützungsmöglichkeiten hinzuweisen", unterstreicht Pfarrer Engelke den weitläufig gefassten Hilfsaspekt. In Anspruch genommen hat bisher noch niemand Pfarrer Engelkes christliches Angebot.
Für alle gerechter
Die Idee zu dem Projekt kam dem evangelischen Geistlichen, als er über das Konstrukt Kirchensteuer nachdachte. "In Deutschland ist Christsein und das Eingebundensein in eine Gemeinde immer verbunden mit dem Finanzamt", sagt er. Gut findet er das nicht. "Es ist ein Ungleichgewicht entstanden zwischen denen, die aus der Kirche ausgetreten sind, und denen, die ihr weiter angehören." Anstelle einer Kirchensteuer für Gläubige fände er eine Bürgergemeinschaftssteuer für alle gerechter. "Dabei sollte es individuelle Wahlmöglichkeiten geben, welche soziale Institutionen und damit auch Kirchen mit dem Beitrag unterstützt werden sollen."
Ein Pfarrer allein kann das deutsche Steuerwesen nicht revolutionieren. So versucht Dr. Engelke etwas im Kleinen zu bewegen. Erklären Gemeindeglieder ihren Austritt, fragt er stets nach den Gründen. Außerdem macht er auf die Konsequenzen eines Kirchenaustritts aufmerksam. "Viele Menschen haben gute Gründe, warum sie das tun", sagt er. "Aber dieser Schritt bedeutet auch, dass man nicht mehr Pate sein kann und bereits geschlossene Patenschaften nicht mehr bestehen", sagt er. "Das ist ein gebrochenes Versprechen dem Kind gegenüber." Man könne dann auch nicht mehr kirchlich heiraten.
Solche Argumente überzeugen manche Austrittswilligen. Andere besinnen sich später. Pfarrer Engelke ermutigt sie alle, in die kirchliche Gemeinschaft zurückzukehren. "Der Wiedereintritt ist sehr leicht geworden." FRAGE DES TAGES
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