Viersen: Ein Gefängnis zieht um
VON NADIA JOPPEN - zuletzt aktualisiert: 06.08.2008Viersen (RPO). Zur Jahreswende ist das neue Gebäude der Frauen-Justizvollzugsanstalt in Anrath fertig. Der Umzug der Anstalt soll innerhalb nur eines Tages vonstatten gehen – mit etwa 6000 Kartons.
WILLICH Den Mitarbeitern des Frauengefängnisses steht Ende des Jahres eine logistische Meisterleistung mit geschätzten 6000 Umzugskartons bevor. „Die Vorbereitungen in der Arbeitsgruppe laufen“, berichtet Dieter Paulus, stellvertretender Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA). Nach Fertigstellung des Neubaus sollen die 150 Insassinnen der Frauenabteilung und die Bediensteten im Dezember oder im Januar 2009 in den Neubau umziehen.
Der Umzug erfolgt auf dem eigenen Gelände hinter geschlossenen Mauern, deswegen sind keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen notwendig. Aber angesichts der Jahreszeit ist nicht damit zu rechnen, dass die Kisten einfach so per Karren über das Gelände gefahren werden können. Daher hat Paulus schon im Hinterkopf, dass bei Regen die Kartons per Lkw in die neuen Räume befördert werden.
Mehr Platz für die JVA
Die JVA Anrath wird insgesamt vergrößert und umgebaut. Der neue Frauentrakt bietet zusätzlichen Platz für weitere 50 Häftlinge. Um den ganzen Gefängnisbereich wird eine neue Mauer gebaut, dafür mussten die eigentlich denkmalgeschützten Bediensteten-Wohnungen abgerissen werden. Das hatte zu Protesten im Vorfeld geführt, die aber keinen Erfolg hatten.
Mehr Spielraum
In Punkto Arbeit und Lebensgefühl verspricht sich Paulus viel vom neuen Gebäude: „Wir werden mehr Gestaltungsspielraum bei der Arbeit haben“, erwartet er. Das liegt unter anderem daran, dass die Zahl der Abteilungen von fünf auf zehn erhöht und die jeweilige Gruppengröße damit verkleinert wird. Baulich bietet der Neubau den Bediensteten jetzt eigene Büros mit „vernünftigen Arbeitsbedingungen und genügend Licht“, so Paulus. Im Altbau belegen die Wachdienst-Mitarbeiter derzeit eine frühere Gefängniszelle. Sie ist räumlich beschränkt und hat auch nur ein kleines Fenster. Auch für die Insassinnen ergeben sich Verbesserungen, die „kein Luxus, sondern notwendig“ sind: Der Nassbereich mit Waschbecken und WC ist jetzt jeweils vom Zellenraum durch Mauer und Tür getrennt, „das war ja auch eine Forderung der Gerichte. Es ist wichtig für das Selbstwertgefühl und die Hygiene“, so Paulus. Denn schließlich sind viele Zellen mit mehreren Frauen belegt – ein Vorhang vor der Toilette reicht nicht aus.
Er habe zu dem neuen Gebäude bereits positive Rückmeldungen von den Frauen bekommen, die schon länger in der JVA einsitzen, berichtet Paulus. Dazu werden im Neubau größere und bessere Arbeitsplätze für die Inhaftierten zur Verfügung stehen. Und es gibt eine eigene Küche, in der die Mahlzeiten für den Frauen- und Männertrakt zubereitet werden. Paulus erwartet, dass der Umzug in einem Tag erledigt werden kann – wobei aber die Krankenabteilung funktionstüchtig bleiben muss. Polizei und andere Gefängnisse werden mit der JVA insofern kooperieren, als sie in dieser Zeit keine Verlegungen nach Anrath vornehmen werden. Es kann aber sein, dass sich Frauen selbst stellen, denen das Gericht den Termin ihres Haftantritts innerhalb eines Zeitraums von 14 Tagen selbst überlassen hat.
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