Viersen: Ein Großmeister in Aktion
VON PAUL OFFERMANNS - zuletzt aktualisiert: 04.11.2008Viersen (RPO). Er machte die Kampfsportart Taekwondo populär: Kim Woo Kang. Der koreanische Meister ließ sich bei einer Lehrstunde in Dülken über die Schulter schauen. Die Hobby-Sportler waren begeistert.
dülken In der Stimme von Thomas Schneider schwingt viel Respekt und Ehrfurcht mit, wenn er Kim Woo Kang anspricht. Kein Wunder, schließlich ist Kim Woo Kang der erste koreanische Meister in Nordrhein-Westfalen und Begründer des deutschen Taekwondos. Und mit solch einer Persönlichkeit hat es Schneider, der erste Vorsitzende der Kampfsportgemeinschaft Oh-Do-Kwan Dülken, nicht ständig zu tun. Heute ist es aber der Fall. Kim Woo Kang gibt eine Lehrstunde in der Sporthalle der Paul-Weyers-Schule.
„Können wir anfangen, Meister Kim?“, fragt Thomas Schneider. Großmeister Kim Woo Kang nickt. Die Taekwondo-Kämpfer des Vereins stellen sich in Reih und Glied auf. Kim Woo Kang erklärt die Grundtechniken. Der 69-Jährige, der sich zuvor selbst noch als alter Mann bezeichnet hat, blüht nun auf. Seine Augen blinzeln. Der kleine drahtige Mann ist in seinem Element. Die Kämpfer sind alle sei-netwegen da. Sie wollen sich bei ihm für ihre Schwarzgurt- oder Farbgürtelprüfung vorbereiten.
Oh-Do-Kwan
Taekwondo ist eine koreanische Kampfsportart. Die Technik ist sehr auf Schnelligkeit und Dynamik ausgelegt.
Verein Die Kampfsportgemeinschaft Dülken wurde 1975 gegründet. Sie hat 257 Mitglieder.
Disziplinen Taekwondo (Vollkontakt) und Formen (Poomsae)
Training Montag bis Freitag in der Paul-Weyers-Schule in Dülken
Info www.ohdokwan.de oder in der Geschäftsstelle, Pütterhöfer Weg 7a, Viersen, Tel. 02153 60484
Jeder der Teilnehmer hebt sein rechtes Bein, streckt es nach vorn, und kontert mit einem Fauststoß, als ob es einen imaginären Angreifer abzuwehren gilt. Bei jedem Schritt schreit die Gruppe im Chor „Kia“. „Zirka zehn Techniken werden in einem olympischen Vollkontaktkampf angewandt. Die Gesamtheit des Taekwondos basiert auf 200 Techniken“, erläutert Thomas Schneider.
Der Großmeister nimmt die nächste Übung in Angriff. Die Kampfsportler hören ihm aufmerksam zu, damit sie nichts verpassen. Kim Woo Kang begann seine Taekwondo-Karriere 1965 in Düsseldorf. „Als angestellter Trainer einer Judoschule“, erzählt der 69-Jährige, der Taekwondo in NRW bekannt gemacht hat. Bei ihm lernt auch Thomas Schneider von der Dülkener Kampfsportgemeinschaft. „Er ist mein Trainer. Er vermittelt mir das Wissen für den Inhalt des siebten Dans, das ich als Trainer und Dozent umsetzen kann“, sagt der erste Vorsitzende. Kim Woo Kang ist auch Ehrenmitglied in dem Verein. Schneider hofft, dass er noch lange auf den Erfahrungsschatz des Großmeisters zurückgreifen kann.
Immer wieder schallen die „Kia“-Rufe durch die Sporthalle. Der 30-jährige Bodjonam Bataba aus Issum reiht sich in die Gruppe der Kämpfer ein. „Ich will die internationale Anerkennung meines dritten Dans aus Korea haben“, erzählt er. Nicht ganz so weit sind Angelika Ito, Sabine Czernak, Dunja Freimuth und Seniya Vejzovic. Die Frauen tragen den weißen Anfängergurt. „Ich hoffe, dass ich durch sein Training etwas besser werde“, sagt die 49-jährige Angela Ito, „manches sieht zwar sehr einfach aus, aber die Realität ist dann oft anders.“
Die Lehrstunde hat den Sportlern jedenfalls großen Spaß gemacht. Und Kim Woo Kang auch. Er war nicht nur in Dülken zu Besuch, sondern auch in Grefrath, wo 60 Kinder an seinem Training teilnahmen.
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