Viersen: Ein Haus wird herausgeputzt
VON INGRID FLOCKEN - zuletzt aktualisiert: 08.09.2010Viersen (RPO). Nach elf Monaten Restaurierung hat sich das Mostertzhaus in Dülken so verändert, dass keiner mehr den Abriss verlangt. Beim Denkmaltag am kommenden Sonntag kann sich jeder vom Fortgang der Arbeiten überzeugen.
Wer während der Sommerferien über den Eligiusplatz ging, staunte: Das kleine, wohl mehr als 300 Jahre alte "Mostertzhaus" putzt sich heraus. Im Juni war die hässliche glatte Fassadenwand verschwunden: Das originale alte Fachwerk kam zum Vorschein. Doch das dauerte auch nicht lange, dann stand ein Gerüst davor und eine große Plane verdeckte, was sich dahinter tut. Und jetzt, zum Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag, 12. September, präsentiert Bauherr Frank Jordans auch die Veränderungen im Innern eines der ältesten Fachwerkhäuser Dülkens.
Der Aachener Zimmermeister hat gemeinsam mit der Architektin Inge Breidenbach innen das Fachwerk frei gelegt. Und tatsächlich: Die "detektivische Forschung" bestätigte das, was bisher alle nur vermuten konnten, nämlich dass vieles noch original und intakt ist. Damit wird auch immer klarer, dass es sich wirklich lohnte, diesen ehemaligen "Schandfleck" zu restaurieren und nicht abzureißen.
Geöffnet
Denkmaltag Am kommenden Sonntag, 12. September, öffnet Frank Jordans von 13 bis 17 Uhr das Mostertzhaus. Es liegt am Eligiusplatz in Dülken – in der Nachbarschaft des Alten Waisenhauses.
Bauzeit Auch während der Bauzeit ist jeder neugierige Dülkener willkommen.
Begleitung Die Rheinische Post wird über den Fortgang der Restaurierungsarbeiten berichten.
"Unsere Erwartungshaltung wurde noch übertroffen", freuen sich Inge Breidenbach und Viersens Denkmalpflegerin Ellen Westerhoff. "Das entschädigt für alle Müh!" Denn Jordans ist mindestens jedes Wochenende gemeinsam mit seinem Team in Dülken. Schließlich will er Ende 2011 fertig sein und dann die 200 Quadratmeter zur Verfügung stehende Wohnfläche an eine Familie vermietet haben, die das Denkmal an sich und die hervorragende Restaurierung auch zu schätzen weiß.
Innen werden die Besucher am Denkmaltag nicht mehr sehen können, was die verblüffte, die in der Zwischenzeit einmal hineinschauten. Der gesamte Fußboden im Erdgeschoss musste ausgeglichen und vor allem feuchtigkeitsresistent gemacht werden. Und das geschah durch Aufbringen einer dicken Schicht Glasschotter. Dabei handelt es sich um aus Altglas hergestelltes geschäumtes Glas, das gebrochen aufgrund seiner Kapillarstruktur keine Feuchtigkeit durchlässt und auch zur Wärmedämmung hervorragend geeignet ist. Damit jeder Gast am Sonntag sich davon ein Bild machen kann, steht in einer Ecke eine Schale mit Glasschotter.
Stroh und Lehmsteine eingesetzt
Die Innenwände hat Jordans mit dem Material, das die Firma Claytec von Peter Breidenbach im Viersener Ringofen herstellt, restauriert. Stroh und Lehmsteine wurden dort eingebracht, wo das vorhandene Flechtwerk nicht mehr repariert werden konnte. Außen, hinter der Schutzplane, ist inzwischen das Fachwerk optisch verschwunden. Erst nach dem Denkmaltag wird es herausgenommen und auf dem Eligiusplatz ausgebreitet, um es zu restaurieren und anschließend wieder einzubauen. Das Mauerwerk, das sich nach dem Entfernen des Putzes stark geschädigt zeigte, wurde zunächst mit einer Lage Kalkmilch geschlemmt.
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