Viersen: Ein Markt für alle Sinne
VON HENDRIKE SPAAR - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 - 16:41Viersen (RP). Auf dem Dülkener Schöppenmarkt gab es Mittwoch nicht nur allerhand zu sehen – die knapp 400 Händler boten an ihren bunten Ständen erlesene und exotische Genüsse für Ohren, Augen, Nasen, Hände und Geschmackszellen.
Iris Fischer ist ein alter Hase – jedes Jahr, an Aschermittwoch gibt es für die Hausfrau und Mutter aus Viersen nur ein Ziel: den Schöppenmarkt in Dülken. „Der Termin ist ganz dick rot im Kalender notiert – ich habe seit Jahren keinen Markt verpasst“, erklärt die 47-Jährige, die sich bewaffnet mit Plastiktüten ins dichte Getummel auf der Kreuzherrenstraße stürzt. „Hier findet man immer etwas, das man gebrauchen kann – und wenn es nur was zu Essen ist“, erklärt die Viersenerin.
Und offensichtlich ist Iris Fischer nicht die einzige, der es so ergeht. Denn in der Dülkener City herrschte gestern ein reges Treiben, so dass man nur noch im Schneckentempo vorwärts kam. Knapp 400 „Fliegende Händler“ aus allen Teilen Deutschlands, den Niederlanden sowie Belgien hatten ihre Stände aufgebaut und priesen ihre Waren an. „So eine große Auswahl gibt es sonst nirgendwo“, hat Iris Fischer für sich festgestellt – und die in weiß, wovon sie spricht, denn sie verbringt einen Großteil ihrer Freizeit auf Kram- und Flohmärkten in der Region. Flinke Finger und flotte Sprüche
Schöppenmarkt
Die „Fliegenden Händler“ kommen aus allen Teilen Deutschlands und aus den Niederlanden sowie Belgien. Der Schöppenmarkt ist mit seinen knapp 400 Händlern einer der größten Krammärkte der Region und kann auf eine 165-jährige Tradition zurückblicken. Schon 1847 fand in Dülken am Aschermittwoch ein ganztägiger Krammarkt statt.
Aber nicht nur die große Auswahl lockt Fischer jedes Jahr zum Schöppenmarkt nach Dülken – es ist vielmehr das Gefühl für ein paar Stunden in eine andere Welt einzutauchen. „Das ist ein Erlebnis für alle Sinne – überall gibt es was zu sehen, zu schmecken, zu riechen, zu hören oder anzufassen“, erklärt die 47-Jährige. Eine besondere Anziehungskraft üben auf Fischer – und zahlreiche andere Besucher – die Marktschreier aus. Mit flinken Fingern, flotten Sprüchen und den ein oder anderen derben Späßchen ziehen sie erst die Kunden in ihren Bann und bringen dann ihre Ware gleich tonnenweise an den Mann beziehungsweise die Frau.
So auch Bananen Fred aus Hamburg, der körbeweise Früchte und Gemüse für „nen Zehner“ verscherbelt oder Aal-Volker, der passend zum Fischessen am Aschermittwoch Sprotten, Matjes, Heringe und Aale aus dem hohen Norden unters Volk bringt. „Denen könnte ich stundenlang zuhören“, erklärt Marktbesucher Josef Meuter, der mit Ehefrau Inge aus Mönchengladbach angereist ist und vollbeladen die Heimreise antritt, „das ist eine echte Kunstform – da macht es Spaß, etwas zu kaufen.“
Und das sehen wohl auch die meisten anderen Besucher so. Ein Blick in die Menge zeigt, kaum jemand verlässt die knapp vier Kilometer lange Verkaufsstrecke ohne die neueste Errungenschaft. Ob Ausstechförmchen für die nächste Weihnachtsbäckerei, ein Messer aus der Klingenstadt Solingen, ein Spinnwebenbesen für den anstehenden Frühjahrsputz, ein Hand-Folienschweißgerät, Gewürze aus aller Welt oder die neuesten Kreationen aus der Modewelt – es gibt fast nichts, das nicht angeboten wird und den Besitzer wechselt.
Auch Iris Fischer ist längst fündig geworden – in ihren prall gefüllten Plastikbeuteln lassen sich Bettwäsche, Süßigkeiten, zwei kleine Nagelscheren und ein neues knallbuntes Vogelhäuschen erahnen: „Wie schon gesagt: Hier findet man immer etwas, das man gebrauchen kann.“ Flammkuchen oder Pommes
Schwerer fällt der 47 Jahre alten Viersenerin zum Abschluss ihres Besuches allerdings die Wahl, womit sie sich nach den Stunden im Gewirr stärken soll. „Flammkuchen, Crêpes, Pommes, Bratwurst, ungarische Spezialitäten oder Käse aus Frankreich – wer soll sich denn da entscheiden können“, sagt Fischer achselzuckend.
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