Viersen: Ein Pieks, der Gutes tut
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 19.07.2008Viersen (RPO). „Bitte die Ärmel hochkrempeln und eine Faust machen“, hieß es im Nettetaler Krankenhaus. Über 100 Blutspender ließen sich zur Ader bitten. Der eine sieht’s als „Ölwechsel“, der andere erinnert sich an die eigene OP.
Lobberich Wie auf dem Sonnendeck eines Kreuzfahrtdampfers geht es zu im Konferenzraum des Krankenhauses. Ein Kommen und Gehen ist an der Tagesordnung, geduldig wartet man, bis ein Platz auf einer Liege frei wird. Die einen dösen vor sich hin, andere sind hellwach, passen genau auf, was vor sich geht. Es ist Blutspendetag.
Mathilde Swyen gehört zur Kategorie der Aufmerksamen. Genau beobachtet sie, was die Krankenschwestern mit ihr machen, wie sie die Einstichstelle desinfizieren, ihr die Nadel einführen. Die Nettetalerin ist Erstspenderin. Auf die Idee, ihr Blut anderen zur Verfügung zu stellen, kam sie im vergangenen Jahr, als sie im Krankenhaus operiert wurde. „Da macht man sich so seine Gedanken. Auch darüber, dass eine Blutspende Leben retten kann“, erzählt Swyen. Und wie war ihr „erstes Mal“? „Ich fühle mich gut“, sagt die Spenderin während der zehnminütigen Ruhephase nach der Spende. Und ergänzt mit einer kleinen Unsicherheit in der Stimme: „Natürlich weiß ich nicht, was noch kommt.“
Viele Erstspender
Premiere Unter den über 100 Blutspendern, waren viele Erstspender. „Es ist sehr erfreulich, dass wir wieder neue Spender hinzu gewinnen“, sagt Ärztin Ines Lang.
Problem Trotz der erfreulichen Anzahl an Erstspendern gestern, gäbe es tendenziell immer weniger junge Spender.
Mitarbeiter-Spenden Auch viele Angestellte des Krankenhauses spendeten Blut. Schwester Jolanta: „Es tut gut, anderen helfen zu können.“
Sonderurlaub für eine Spende
In der Regel kommt gar nichts, wissen diejenigen, die bereits seit Jahren Blut Spenden. Zu ihnen gehört Hermann Mies. Bereits zum 63. Mal lässt er sich anzapfen. Alles fing bei der Bundeswehr an. „Das muss im Jahr 1970 gewesen sein. Da wurden wir gebeten, eine Blutspende zu leisten. Als Anreiz gab’s einen Tag Sonderurlaub“, erzählt Mies und ergänzt mit einem verschmitzten Lächeln: „Das haben wir natürlich alle gemacht.“ Irgendwie ist er beim Blutspenden geblieben. Nicht nur, dass man anderen helfen könne, sei für ihn wichtig, sondern auch, dass man „viel Sicherheit für einen persönlich“ habe, schließlich wird das Blut vor jeder Spende untersucht. Mies hat die Blutgruppe null positiv. „Die ist sehr selten und begehrt.“ Er selbst hat bislang noch keine Blutspende benötigt. So geht es auch fast allen anderen.
Zwei Liegen weiter hat es sich der Nettetaler Peter Rechenbach bequem gemacht, ebenfalls ein „alter Hase“. 61 Mal hat er gespendet. Früher habe er mit Übergewicht und Bluthochdruck zu kämpfen gehabt. Dann habe er gelesen, dass sich regelmäßiges Blutspenden in Zusammenhang mit Gewichtsabnahme durchaus positiv auf die Gesundheit auswirke. „Das kann ich voll bestätigen – mein Bluthochdruck ist weg, mir geht es seit Jahren super“, freut sich Rechenbach. Auch er bestätigt: „Man hilft nicht nur anderen, sondern auch sich selbst.“
Gläschen Schnaps für eine Spende
Solch einen „Ölwechsel“ könne er nur jedem empfehlen, „sonst verkalkt man doch“, betont Rechenbach mit einem Augenzwinkern. Dann gibt er noch eine Anekdote zum Besten: „Früher gab es für jede Spende ein Gläschen Schnaps. Das hat man dann irgendwann aus Gründen der Fahrsicherheit aufgegeben.“ Und auf einen Blutalkoholtest bei der Polizei hatte nach der Spende schließlich auch keiner mehr Lust.
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