Viersen: Einblick in Nettetals Wirtschaft
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 29.08.2008Viersen (RPO). Auf Initiative des Netzwerks Wirtschaft öffneten mehr als 50 Nettetaler Betriebe ihre Türen, um Schülern den Geschäftsalltag näher zu bringen. Das Angebot kam bei Schülern, Lehrern und Unternehmern gleichermaßen an.
Lobberich/Kaldenkirchen Simons Zimmer sieht schon sehr gut aus. Ein beleuchtetes Sideboard, eine gemütliche Fernsehecke, ein großer Esstisch, so richtet der 15-Jährige sein Zimmer ein. Zumindest auf dem Papier. Simon sitzt an einem Tisch im Einrichtungshaus Boden. Vor ihm liegt die Skizze seines Wunschzimmers. Mit Bleistift, Lineal und Geodreieck arbeitet er an einem perfekten und vor allem maßstabsgetreuen Grundriss. Wie viel die Einrichtung dieses Zimmers am Ende kosten wird, weiß der Schüler nicht, wohl aber, dass ihm das Zeichnen viel Spaß macht. „Es ist schön, dass wir hier etwas Praktisches machen können“, sagt der Neuntklässler der Kaldenkirchener Hauptschule.
Firmen aus 28 Branchen
Firmen 53 Firmen aus 28 Branchen
Teilnehmer 670 Schüler
Schulen Werner-Jaeger-Gymnasium, Comeniusschule, Realschule, Gesamtschule, Hauptschule Lobberich, Hauptschule Kaldenkirchen, Berufskolleg
Mit vier weiteren Mitschülern gehört er zu einer von drei Gruppen, die sich an diesem „Tag der offenen Tür in Nettetaler Betrieben“ im Einrichtungshaus umschauen. Nach Rundgang und kurzem Abriss der Tätigkeit ging es für die Schüler an die praktische Arbeit. „Sie bekommen auf diese Weise einen Einblick ins Berufsleben“, sagt Christiane Boden. Sie betreut die Auszubildenen des Einrichtungshauses. Mit Lisa van Ophoven und Annika von Elling stehen den Schülern zwei Azubis für Fragen zur Verfügung. „Schade, dass es so einen Tag in unserer Schulzeit nicht gegeben hat“, bedauert von Elling.
Dem Netzwerk Wirtschaft Nettetal ist es zu verdanken, dass dieser „Tag der offenen Tür“ jetzt erstmals ins Leben gerufen wurde. Viele Schüler besuchten gestern gleich zwei Betriebe und informierten sich über Berufsbilder und Ausbildungsmöglichkeiten. „Die Schüler haben danach etwas, auf das sie hinarbeiten. Das ist wichtig“, findet Christiane Bolten.
Auch die Lehrer begrüßen den Aktionstag. „Um den Arbeitsmarkt in Nettetal kennen zu lernen, ist das ideal“, sagt Petra Tagage, Lehrerin an der Comeniusschule. Sie ist am frühen Vormittag mit einigen Schülern bei Malermeister Karl-Heinz Deckers in Lobberich. „Wir wollen diesen Tag nutzen, um den Schülern zu zeigen, was den Malerberuf ausmacht“, erklärt seine Frau Janine Beutler-Deckers. Einige junge Menschen hätten nämlich falsche Vorstellungen davon: „Mit Anstreichen allein ist es nicht getan“, sagt Beutler-Deckers. Ihr Mann demonstriert derweil die vielfältigen Tätigkeiten seines Berufs: Farbe anmischen, Böden oder Wände schleifen, tapezieren oder auch Glas schneiden.
Auch die Baumschule Lappen will den fast 40 Schülern, die an diesem Tag den Betrieb erkunden, ein Berufsbild näher bringen. „Viele haben eingeschränkte Vorstellungen vom Gärtnerberuf. Das wollen wir gerade rücken“, sagt der stellvertretende Betriebsleiter Franz-Josef Schmitz, der mit dem Leiter der Buchhaltung, Markus Thelen, die Schüler in zwei Gruppen durch den Betrieb führt.
Bei Jakobine Albrecht-Hermanns, Inhaberin von Wäsche Selke in Kaldenkirchen, dürfen die Schülerinnen der Hauptschule Kaldenkirchen in kleinen Rollenspielen schon erste Verkaufsgespräche mit unterschiedlichen Typen von Kundschaft simulieren. „Die Mädchen sind sehr motiviert“, lobt Albrecht-Hermanns anschließend. Noch bildet sie in ihrem Fachgeschäft nicht aus. Das könne sich nach diesem Tag aber bald ändern.
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