Viersen: Eine Lesung zum Mitmachen
VON WILTRUD WOLTERS - zuletzt aktualisiert: 06.06.2008Viersen (RPO). Yücel Feyzioglu hat 32 Bücher geschrieben. Jetzt kam der Autor zu einer Lesung in die Stadtbücherei Nettetal. Seine aufmerksamen Zuhörer und Mitwirkende waren Grundschüler aus Kaldenkirchen.
breyell „Das hat Spaß gemacht“, sprudelt es aus Esma Tuna heraus. Das kleine türkische Mädchen mit den strahlend blauen Augen ist der heimliche Star im Rahmen der Lesung mit Yücel Feyzioglu in der Nettetaler Stadtbücherei. Der Kinderbuchautor hat ein Händchen für die Viertklässler der Grundschule Kaldenkirchen. Ganz ohne Scheu folgen sie ihm in das Reich der Phantasie – die Geschichte seiner Zauberzitrone.
Feyzioglu liest sein Märchen nicht nur, er macht es erlebbar, denn der 62-jährige Türke lässt es von den Kindern spielen, in deutsch und in türkisch. Das Märchen erzählt die Geschichte der drei Freunde Ali, Okan und Kemal, die allesamt um die Liebe derselben Frau werben. Die zehnjährige Esma spielt dabei die bezaubernde Gül, die von Marvin, Niklas und Robert umgarnt wird. Damit die Freundschaft der Jungen nicht zerbricht, fordert Gül sie auf, ein Handwerk zu lernen. Sie will am Ende den heiraten, der das wertvollste Handwerk beherrscht. Der Auserwählte ist letztlich Kemal, der mit seiner Zauberzitrone zeigt, dass nichts wichtiger im Leben ist als Freundschaft und Liebe.
Yücel Feyzioglu
Vita Yücel Feyzioglu (62) arbeitete viele Jahre als Lehrer in der Türkei und in Deutschland. Seit seinem zehnten Lebensjahr schreibt er Geschichten und Bücher. Der Vater von drei Kindern gilt als einer der erfolgreichsten türkischen Kinderbauchautoren.
Auszeichnung Das Schulministerium NRW nahm sein zweisprachiges Kinderbuch „Die Zauberzitrone“ 2002 in die Sommer-Leseliste für Grundschulen auf.
Esma ist in ihrem Element. Immer wieder ergänzt sie den Text, den Yücel Feyzioglu vorträgt, nach ihren Vorstellungen. So umarmt sie Kemal herzlich und gibt ihm gleich mit auf den Weg: „Mensch, freu’ dich doch mal.“ Der Spagat zwischen den Kulturen und dem für zehnjährige Kinder hochbrisanten Thema der Liebe gelingt auf eine völlig natürliche Art und Weise vorzüglich. „Die Kinder haben keine Vorurteile und ich bin sehr sicher, dass sie diese Veranstaltung nicht vergessen werden“, sagt Feyzioglu.
Er selbst kam 1972 aus der Türkei nach Deutschland und fühlt sich halb als Deutscher und halb als Türke: „Wenn ich in der Türkei bin, vermisse ich Deutschland. Hier vermisse ich die Türkei“, sagt er. „Es sind interessante Gefühle, denn manchmal fühle ich mich beiden Kulturen fern.“
Die Kinder belagern ihn mit unzähligen Fragen zu seinen 36 Büchern. Sie wollen wissen, warum er schreibt, wie er schreibt oder wie lange es dauert, ein Buch zu schreiben. Feyzioglu hatte auf alles eine Antwort, und hätte Schulleiter Jörg Mackenbach nicht zum Aufbruch gerufen, seine Schüler würden den Schriftsteller vermutlich noch lange nicht in die Mittagspause entlassen.
„So etwas ist eine besonders aktive Form der Leseförderung. Die Kinder nehmen sehr viel mit“, freut sich Ulrich Schmitter, der Leiter der Nettetaler Stadtbücherei in Breyell. „Nicht nur die Kinder“, ergänzt Feyzioglu, „es motiviert auch die Lehrer.“
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