Viersen: Eine Region unter Strom
VON JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 12.04.2011Viersen (RPO). "Die Energiewende ist nicht nur Sache der Politik", sagt Thomas Gütgens, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Niederrheinwerke. Auch die Verbraucher sind in der Verantwortung.
Die Niederrheinwerke in Viersen sind in Bewegung: "Regionale Energieversorger und Stadtwerke sind konsequent dabei, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben – mit gutem Erfolg", sagt Thomas Gütgens, Vorsitzender des Aufsichtsrats des Versorgungsunternehmens. "Für eine echte Energiewende müssen aber alle an einem Strang ziehen, die Bundes- und Landespolitik, die Energieversorger und die Verbraucher."
Die Niederrheinwerke sind ein regionaler Versorger, der schon lange auf den Ausbau der erneuerbaren Energien setzt. "Wir haben bereits 2008 eine Solaroffensive mit Bürgerbeteiligung gestartet", erklärt Geschäftsführer Frank Kindervatter. "Wir haben bereits zehn Solaranlagen mit einer Leistung von knapp 500 Kilowatt erstellt."
Versorger-Ehe
Anteil Seit dem 1. Januar 2011 ist die Fusion der Niederrheinwerke Viersen und der Niederrheinischen Versorgungs- und Verkehrs-AG (NVV) in Mönchengladbach rechtskräftig. Die Stadt Viersen hat ihren Anteil an den Niederrheinwerken (51 Prozent) in die Versorger-Ehe eingebracht.
Arbeitgeber Die Niederrheinwerke Viersen sind Arbeitgeber für rund 400 Menschen in der Kreisstadt. Weitere Informationen gibt es unter www.niederrheinwerke.de
Jeder Bürger, jeder Unternehmer kann zum Stromerzeuger werden, indem er sich an Bürgersolaranlagen beteiligt. Das Problem: Das Interesse an einer Beteiligung hält sich bislang leider noch in Grenzen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Ökostrom. Kindervatter: "Alle reden von erneuerbaren Energien – für Ökostrom entscheiden sich aber immer noch die wenigsten. Hier sind die Verbraucher stärker gefordert." Den Naturstrom der Niederrheinwerke beziehen derzeit rund 500 von insgesamt 50 000 Stromkunden. Dabei kostet dieser beim Viersener Versorger für einen Durchschnittshaushalt mit 4000 Kilowattstunden gerade mal 17,60 Euro pro Jahr mehr.
Beim Stromeinkauf versuchen die Niederrheinwerke, einen Mix aus möglichst viel Ökostrom und wenig Atomstrom zu wettbewerbsfähigen Preisen zu bekommen. Der Anteil an regenerativ erzeugtem Strom liegt bei den Niederrheinwerken bei 28,1 Prozent, im Bundesdurchschnitt bei 17 Prozent.
Darüber hinaus betreiben die Niederrheinwerke eine Biogasanlage, deren Biogas ein Blockheizkraftwerk hocheffizient in Strom und Wärme umwandelt. "Es macht viel Sinn, den Naturstrom beim regionalen Versorger zu kaufen, der dann in regenerative Erzeugung in der Region investiert", so Kindervatter.
Biogas ist eine Möglichkeit, auf erneuerbare Rohstoffe umzustellen und damit auf eine langfristig sichere Versorgung in der Region. Aber auch hier sind die Verbraucher gefragt – diesmal vor allem in ihrer Funktion als Bürger. Kindervatter: "Wer die Energiewende will, muss auch ,Ja' sagen zum Bau von Biogasanlagen, Windrädern und Übertragungsnetzen. Wer A sagt, muss auch B sagen."
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