Viersen: Erdwärme fürs Stadthaus
VON FRANK SCHLIFFKE - zuletzt aktualisiert: 20.05.2008Viersen (RPO). Zwei Probebohrungen: Es soll festgestellt werden, ob der Grundbedarf des Viersener Stadthauses und der Stadtbibliothek an Wärme im Winter und Kühlung im Sommer künftig durch Geothermie gedeckt werden kann.
Saugen und schlucken
Saugbrunnen Aus bis zu 30 Metern Tiefe können bis zu 80 Kubikmeter Grundwasser pro Stunde entnommen und über einen Wärmetauscher geleitet werden. Schluckbrunnen Anschließend wird das Grundwasser wieder zurückgeleitet, aus hydraulischen Gründen etwa 70 Meter entfernt. Leistung Die geplante Anlage würde 75 Prozent des Jahreswärmebedarfs von Stadthaus und Bibliothek decken. Den Kühlbedarf können die Brunnen komplett sichern.
Die Gas-Heizkessel der Albert-Vigoleis-Thelen-Stadtbibliothek gehen nach 19 Jahren Betrieb dem Ende ihrer Lebensdauer entgegen. Statt nun einfach die Kessel gegen moderne mit einem besseren Wirkungsgrad und weniger Abgasverlusten auszutauschen, soll nach dem Willen von Politik und Verwaltung untersucht werden, ob Erdwärme als Energiequelle in Betracht kommt. Bei der Untersuchung soll das Stadthaus einbezogen werden. Das beschloss der Umweltausschuss des Stadtrats im August letzten Jahres.
Beratung im Planungsausschuss
Ein entsprechendes Gutachten, das sich auf Berechnungen stützt, liegt inzwischen vor. Es wurde bereits im Umweltausschuss vorgestellt, heute wird der Bau- und Planungsausschuss in seiner öffentlichen Sitzung ab 18 Uhr darüber beraten. Der Umweltausschuss hat dem Bauausschuss empfohlen, zunächst in einem Pumpversuch mit zwei neuen Brunnen prüfen zu lassen, ob ausreichend Grundwasser für die Erdwärmeversorgung gewonnen werden kann. Bei erfolgreichen Probebohrungen sollen die entsprechenden Baubeschlüsse gefasst werden. Neben dem Effekt, dass weniger Abgase entstehen, tritt die Wirtschaftlichkeit. Knapp 260 000 Euro mehr als der Ersatz der alten Kessel soll eine Erdwärmeanlage für Bibliothek und Stadthaus kosten.
Dem stünden jährliche Einsparungen von (mindestens) 252 000 Euro gegenüber. Dabei wird die Heizungsanlage in der Bücherei abgebaut, die Kessel des Stadthauses dienen als Reserve für Spitzenzeiten. Das Gutachten errechnet die Zeit, bis zu der die Ersparnis den Aufwand übersteigt, auf 10,3 Jahre. Allerdings, so heißt es weiter: „Berücksichtigt man … die Entwicklung von Betriebs- und Energiekosten, reduziert sich die Amortisationszeit auf etwa sechs Jahre.“ Die jährliche Einsparung an Kohlendioxid beziffert das Gutachten auf 73 Tonnen oder 43 Prozent.
Allerdings kann die Stadt diese Lösung nicht allein herbeiführen. Denn das Stadthaus gehört ihr nur zu knapp 55 Prozent. 36 Prozent hält die Viersener Aktienbau und neun Prozent liegen bei den Niederrheinwerken. Der Gaslieferant müsste einer Maßnahme zustimmen, die seinen Umsatz senkt.
Vier Brunnen sind vorgesehen. Zwei Saugbrunnen nördlich des Stadthauses, zwei Schluckbrunnen knapp 70 Meter nordöstlich davon. Jeweils einer der rund 30 Meter tiefen Brunnen soll bei der Probebohrung bereits entstehen. Angenehmer Nebeneffekt der Wärmegewinnungsanlage: Im Sommer kann sie zur Temperatursenkung genutzt werden. Dabei ist sie so leistungsstark, dass der Gutachter vorschlägt, auch die Stadtbibliothek mit einer Kühlung auszustatten.
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