Nettetal: Ernte blieb im Schnee stecken
VON PHILIPP PETERS - zuletzt aktualisiert: 06.01.2009Nettetal (RPO). Auf dem Landschaftshof begann gestern die Weidenernte. Allerdings kamen nur ganz wenige Helfer. Die Gartengruppe des Berufsbildungszentrums in Amern schnitt dann immerhin eine ganze Sorte ab. Geplant wird nun für später ein zweiter Termin.
Als der Landschaftshof Baerlo vor einigen Wochen die Öffentlichkeit zur Weidenernte einlud, ahnte niemand, was gestern Morgen anstand. Der ergiebige Schneefall von Sonntag auf Montag dürfte maßgeblich dafür gewesen sein, dass sich nur ganz wenige freiwillige helfer gestern bereits in aller Frühe auf dem Landschaftshof im Norden von Leutherheide einfanden. Bernd Rosenkranz von der Arbeitsgemeinschaft Biotopschutz fackelte jedoch nicht lange. „Wir beginnen mit dem Schneiden der Weidenruten im Weidengarten. Aber die Kopfweiden werden wir bei diesem Wetter nicht schneiden“ so Bernd Rosenkranz.
Der Landschaftshof hat sich dem Erhalt alter Kulturlandschaften verschrieben. Dazu gehört unter anderem die Pflege von Weiden und ihre Verwertung. An die Kopfweiden wagte sich gestern nur keiner, weil die Gefahr zu groß war, um mit der Motorsäge im Schnee zu arbeiten.
Edelweide
Ausstellung Auf dem Landschaftshof zeigt eine Ausstellung, was sich aus Korbweiden herstellen lässt. Darunter sind Kinderwagen aus dem 19. Jahrhundert, Fischreusen und Fachwerkwände.
Amerikanerweide Sie gilt als die edelste Weidensorte. Mit ihr lassen sich sehr filigrane Flechtarbeiten erstellen.
Gartengruppe aus Amern
Zum Helfen gekommen waren schon früh am Morgen Jugendliche, die in der Gartengruppe des Berufsförderungszentrums in Amern tätig sind. „Für uns ist der Landschaftshof eine gute Abwechslung zum Alltag. Aber wir sind nicht nur zum Schneiden der Weiden hier“, erklärte Jürgen Tüffers, der die Gruppe bei ihrer Arbeit anleitet und betreut. Das Schneiden der alten Kulturweidenpflanzen ist eine uralte Tätigkeit am Niederrhein.
Dabei ist Weide nicht Weide. Der Landschaftshof baut 13 verschiedene Sorten an, unter anderem werden hier die Ullrichweide oder der russische und österreichische Palm angebaut. Aber auch die begehrte Amerikanerweide, die der schlesische Korbmacher Ernst Hoedt gegen ein striktes Exportverbot nach im 19 Jahrhundert nach Europa schmuggelte, wächst in den Kulturen des Hofes. Geschnitten werden müssen die langen Ruten etwa einen Zentimeter über der Erde. „Nur dann wächst wieder ein einzelner Trieb, ansonsten erhält man einen Busch“ erklärte Rosenkranz.
Genau diese Anforderung war gestern das Problem. Wegen der zehn bis zwanzig Zentimeter hohen Schneedecke war es für die Helfer schwer zu erkennen, ob sie die richtige Höhe hatten. Dennoch ernteten die Jugendlichen den Bereich einer Weidensorte komplett ab. Dann reichte es ihnen allerdings. Sie brachen die Arbeit ab, weil es bei dem Wetter einfach keinen Sinn machte.
„Ich denke, viele haben angenommen dass aufgrund des Wetters heute nichts gemacht wird“, meinte Rosenkranz mit einem Blick auf die schneebedeckte Landschaft. „Und es besteht jetzt auch die Gefahr, dass wir doppelte Arbeit haben, wenn wir nun weiter machen.“ Sind Weiden zu hoch abgeschnitten, müsste nachgeschnitten werden. Nur Norman Bongarz befasste sich mit den Weiden, denn die geschnittenen Ruten mussten sortiert werden. „Zu kleine Weidenruten sortiere ich aus, der Rest wird gebündelt und in einer Hütte eingelagert. Aus den verschiedenen Sorten, die sich durch Dicke und Farbe unterscheiden, werden Körbe geflochten. Vorher müssen die Ruten an der Luft trocknen, sonst verzieht sich der Korb durch das Nachtrocknen. Vor dem Flechten müssen die Ruten für zwei bis drei Wochen noch einmal in Wasser gelegt werden da sie sich sonst nicht verarbeiten lassen.
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