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Kreis Viersen: Es war alles nur halb so Wild

VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 10.09.2009

Kreis Viersen (RPO). Der Umweltausschuss des Kreistages hat den Streit um das Damwild im Depot beigelegt. Niemand fragt mehr nach Interessenskonflikten oder nach den Ursachen der enormen Vermehrung des Bestandes. Man schießt und zählt.

Der Haupteingang an der St.-Barbarastraße in Bracht: Der Zaun hält das Damwild zusammen – noch. Denn grenzüberschreitend soll Rotwild wieder heimisch werden. Dann müsste der Zaun weg.  Foto: RPO
Der Haupteingang an der St.-Barbarastraße in Bracht: Der Zaun hält das Damwild zusammen – noch. Denn grenzüberschreitend soll Rotwild wieder heimisch werden. Dann müsste der Zaun weg. Foto: RPO

Es ist keine Rede mehr von angeblich skandalösen Zuständen bei der Haltung von Damwild im früheren Depotgelände im Brachter Wald. Es spricht niemand mehr über angebliche Interessenskonflikte, die sich daraus ergeben, dass die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Kreises dort eine Fläche besitzt und ihr Geschäftsführer Rolf Adolphs Jagdpächter ist. Das vom FDP-Landtagsabgeordneten Dietmar Brockes als "ureigenes Problem" bezeichnete Thema ist politisch beigelegt.

Das ist das Ergebnis einer Besichtigung des Depot durch den Planungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss (PlUVA) des Kreistages. Experten von Jagd, Forstwirtschaft und Naturschutz sowie aus der Kreisverwaltung erläuterten das Biotopmanagements und die laufende Austonung.

Info

Statistisches

Depotfläche Die Britische Rheinarmee unterhielt in dem von ihr nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten Waldstück ihr größtes Munitionsdepot auf dem europäischen Festland. Die Fläche ist 1200 Hektar groß.

Abschied Der langjährige Vorsitzende des Planungs-, Umwelt- und Verkehrsausschusses, Hans Klaps, nahm mit der Sondersitzung im Brachter Wald – vor seiner Haustür – Abschied von der aktiven Politik.

Nichts Neues

Neues erfuhren die Politiker nicht. Die Ziele des Naturschutzes haben im ehemaligen Depot Vorrang und sind kein Ergebnis einer selbst gedrechselten Philosophie. Vielmehr handelt es sich um eine Kombination aus europäischem Recht und nationalen Recht, aus dem klare Verpflichtungen abgeleitet sind. Daher ist neben der WFG, die hier lagernde Rohstoffe der Tonindustrie sichert, die Naturstiftung des Landes Flächeneignerin.

Das von den Briten nach ihrem Abzug "geerbte" Damwild frisst die von Menschenhand geschaffenen Heideflächen frei. Galloway-Rinder und Schafe, die sich nur zeitweise hier aufhalten, ergänzen diese Arbeit zum Schutz der Heide. Denn würden die Flächen nicht kurz gehalten, manchmal auch komplett gemäht oder durch Menschenhand entkusselt, entstünde ein reiner Kiefernwald. Neben der Heide verschwänden die Moore, Sanddünen und andere Flächen, die vielen auf der Roten Liste stehenden Arten das Überleben sichern.

Die Kontrolle über das Damwild ist der Jagd in vergangenen Jahren entglitten. Experten vermuten, dass mehr als 1000 Tiere in dem umzäunten Depot leben. Ihre große Zahl und der harte Winter 2008/ 09 führten zu gravierendem Futtermangel. Als Folge davon gingen Tiere durch Hunger ein. Die Behörden gaben daraufhin im Frühjahr mehr als 600 Tiere zum Abschuss frei. Vertreter der mittlerweile zentral in Wesel zusammengefassten niederrheinischen Forstwirtschaft berichteten, dass etwa 250 Tiere bisher erlegt wurden. Bis zum Jahresende sollen es 600 sein.

Wahrscheinlich wird im Winter zugefüttert, wie die Wildforschungsstelle und das Veterinäramt des Kreises empfehlen. Die Tiere seien noch nicht in der körperlichen Konstitution, den Winter zu überstehen. Fachgremien werden jetzt regelmäßig über die Zustände im Depot beraten, der Bestand des Damwildes soll jeweils im März erfasst werden. Brockes und Dieter Hehnen (CDU) wollten später nicht mehr nachkarten: Es sei ohnehin nicht mehr aufzuklären, wer wann womöglich welches Versäumnis begangen habe. KOMMENTAR

Quelle: RP

 
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