Viersen: "Falsche Töne gibt es nicht"
VON DIETER MAI - zuletzt aktualisiert: 08.09.2009Viersen (RPO). Kinder, die schon ein Instrument beherrschen an die Jazzmusik heranzuführen war das Thema eines zweitägigen Seminars in der Kreismusikschule Viersen mit Brigitta Nolte, Tobias Kremer und Ali Haurand.
"Auf einem Baum ein Kuckuck..." als groovende Swing-Nummer? Ja, das geht. Im Jazz-Workshop mit Ali Haurand und Kindern zwischen zehn und vierzehn wirkt das musikalisch derart umgepolte Volkslied gerade so, als sei es für Kontrabass, Schlagzeug, E-Gitarre, Blech- und Holzblasinstrumente komponiert worden.
Auch wenn es hier und da noch etwas holpert, schließlich ist dies erst die dritte gemeinsame Probe. Und im dritten Anlauf ist der "Flow" plötzlich da, die jungen Musikerinnen und Musiker haben das Arrangement verinnerlicht, die Einsätze gelingen wie abgesprochen.
Auf die anderen hören können
Ganz ohne Arbeit geht es halt auch in der von Haurand so gerne beschworenen "Musik der 3. Sprache", der Improvisation im Jazz, nicht. Da wollen Rhythmus, Tonart und Akkordfolgen abgesprochen werden. Wer begleitet, wer spielt wann ein Solo? Besonders wichtig ist auch gegenseitiges Zuhören und Rücksichtnahme auf die Mitmusiker.
Juniors Jazz Open
Bei den "Juniors Jazz Open" treten am Festivalsonntag, 20. September, folgende Gruppen auf: Pindakaas Sax Quartett (11 Uhr), BuJazzO mit Splash (11.45 Uhr), Jazz – A Melting Pot (14 Uhr) und Jorinde Jelen: Im Radio Jazzt Was Los (15 Uhr). Zudem spielt die "Tohuwabohu" Marching Band. Karten kosten 9,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro.
"Wenn Du eine Flöte hörst, musst du nett zu ihr sein," versucht Ali Haurand dem jungen Schlagzeuger diese elementare Voraussetzung gemeinsamen Musizierens zu verdeutlichen. Brigitta Nolte, neben Haurand und Jazzfestival-Organisator Tobias Kremer dritte erwachsene Mitwirkende am Workshop, konfisziert, ganz erfahrene Grundschullehrerin, auch schon mal kurzerhand ein Paar Schlagzeug-Stöcke, um für die nötige Aufmerksamkeit zu sorgen.
Die Rolle der Eltern beim Hinführen ihrer Kinder zur Jazz-Musik beschreibt Monika Effkemann aus Kaldenkirchen, deren Tochter an dem Workshop teilnimmt: "Mein Mann und ich hören privat sehr gerne Jazz. Als wir vom Viersener Workshop-Angebot hörten, das mit Ali Haurand einen hochkarätigen Musiker als Veranstalter und Dozenten bietet und dazu noch kostenfrei ist, haben wir unsere Tochter natürlich auf diese Gelegenheit hingewiesen."
Tochter Kristin, 11 Jahre, die seit zwei Jahren Altsaxofon bei der Kreisfeuerwehr-Kapelle lernt, hat auf den vorhergehenden zwei Proben bereits etwas gelernt, das ihr womöglich in ihrem ganzen weiteren musikalischen Leben von Nutzen sein wird: "Ich traue mich jetzt zum ersten Mal, Solo zu spielen – weil Ali uns gesagt hat, dass es keine ,falschen' Töne gibt, sondern nur ,Blue Notes'. Die hören sich im ersten Moment für einen selber vielleicht falsch oder "schräg" an, sind es aber gar nicht!"
Wie schnell schon die Kinder über solch einen Workshop "Feuer fangen" können für den Jazz, weiß Tobias Kremer, mittlerweile selbst gefragter Studio- und Live-Musiker im Jazz und Pop-Bereich: "Ich habe vor zwanzig Jahren als Jugendlicher an solch einem von Ali veranstalteten Workshop teilgenommen und weiß deshalb, wie wichtig es ist, schon Kinder und Jugendliche zum Jazz hin zu führen. Für Ali und mich hat deshalb auch der Familientag am Sonntag, das "Junior's Jazz Open", beim Viersener Jazzfestival einen hohen Stellenwert."
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