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Kreis Viersen: Feuchtgebiete in Gefahr

VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.04.2007

Kreis Viersen (RPO). Der Braunkohleplan wird geändert: Zu zwei gigantischen Seen in Garzweiler und Hambach soll sich ein dritter in Inden gesellen. Politiker fürchten um die Naturgebiete im Kreis Viersen. Denn Wasser wird knapp und schlechter.

RWE Power will den Turm sprengen, weil die Braunkohlebagger vorrücken sollen.  Foto: ddp, ddp
RWE Power will den Turm sprengen, weil die Braunkohlebagger vorrücken sollen. Foto: ddp, ddp

Das Wasser wird knapp. Industrie, Haushalte und Landwirtschaft verbrauchen immer mehr (Trink-)Wasser. Aber schon in 25 Jahren könnte es sehr eng werden für den südlichen Niederrhein. Ursache sind die Änderung Braunkohleplans von 1995 und ein Faktor, der damals kaum eine Rolle spielte: der Klimawandel.

Wenn der Tagebau Garzweiler II (Mönchengladbach/Erkelenz) und Hambach (Bergheim/Jülich) ab 2040 erschöpft sind, entstehen hier zwei der größten Binnenseen Deutschlands. Doch nun soll auch noch der Tagebau Inden (Jülich/Eschweiler) nicht mit Abraum aus Hambach verfüllt werden. Ein dritter See, mit 1200 ha größer als der Tegernsee, soll Touristen anziehen und die hohe Feinstaubbelastung. unter anderem durch Braunkohlefeuerung und Tagebau-Auswirkungen verursacht, senken.

Info

Wasserstände

Monitoring Seit Ende der neunziger Jahre wird Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau nach Norden gepumpt, um die Quellen von Niers und Schwalm zu stabilisieren und das Grundwasser unter Feuchtgebieten zu halten. Die Jahresberichte zeugen vom Erfolg.

Rheinwasser Wenn das Wasser aus dem Tagebau versiegt, soll Rheinwasser eingefüllt werden. Doch wird der Fluss durch den Klimawandel weniger Wasser führen – das aber anteilig mehr Schadstoffe enthält.

Er wird zwar nur der kleinste der drei „Restseen“ sein, aber Inden ist 2030 als erstes der drei Riesenlöcher ausgekohlt. Dann soll Wasser aus der Rur ins Loch fließen. Damit es möglichst schnell voll läuft, hätten die Planer gerne den Freibrief, sich mehr Wasser als normalerweise erlaubt aus dem Fluss zu holen. Falls das nicht reicht, möchten sie den Rhein anzapfen. Sie benötigen 800 Millionen Kubikmeter.

Das hat unter den Politikern im Norden des Braunkohlegebietes erhebliche Unruhe ausgelöst. Michael Aach (CDU), der die Interessen des Kreises Viersen im Braunkohleausschuss vertritt, wehrt sich dagegen, dem Rhein Wasser für Inden zu entziehen. Es wird gebraucht für die wertvollen Feuchtgebiete sowie die Quellen von Niers, Schwalm und Nette. „Seit Jahren wird Sümpfungswasser aus dem Tagebau nach Norden gepumpt, damit die Quellen nicht versiegen und unsere Feuchtgebiete stabil bleiben. Demnächst brauchen wir Wasser aus dem Rhein, wenn die Sümpfungen aufhören.“ Aach hat die Sorge, dass der Rhein demnächst nicht genug Wasser liefern kann, um die gewaltigen Restseen mit mehr als 180 Metern Tiefe zu beliefern.

Denn Klimaforscher rechnen damit, dass die Alpengletscher durch die Erderwärmung abschmelzen und den Rhein nicht mehr ausreichend speisen können. Was der Rur zwischen 2030 und 2060 an Wasser für Inden entnommen wird, fehlt am Meinweg und der Maas. Ab 2040 sind zusätzlich ungeheure Wassermengen erforderlich, um die viel größeren Seen Garzweiler und Hambach zu bilden. Niedrigwasser im Rhein und von Klimaexperten vorhergesagte lange Trockenperioden dürften die Lage zuspitzen. Aber Inden wäre früher an der Reihe als die anderen Seen. Ganz hinten dran hängen die Feuchtgebiete im Kreis„Die Letzten beißen die Hunde“, fürchtet Aach. Mit Kollegen will er das verhindern. Denn auch die Qualität des überhaupt verfügbaren Wassers könnte ungenügend sein.

Quelle: RP

 
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