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Viersen: Feuerwehr hat Personalsorgen

VON FRANK SCHLIFFKE - zuletzt aktualisiert: 09.03.2010

Viersen (RPO). Immer weniger Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Ein Rückgang, den auch die Freiwillige Feuerwehr in Viersen spürt. Hinzu kommt, das viele Wehrmänner nicht mehr in Viersen arbeiten und darum im Notfall fehlen.

Langjährige Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Viersen wurden bei der Generalversammlung geehrt. Kollegen wurden befördert.  Foto: RPO
Langjährige Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Viersen wurden bei der Generalversammlung geehrt. Kollegen wurden befördert. Foto: RPO

Der oberste Feuerwehrmann der Stadt, Frank Kersbaum, umschrieb es noch mit einer amtlich klingenden Formulierung: "Die Tagesverfügbarkeit der freiwilligen Feuerwehrmänner nimmt ab." Kreisbrandmeister Klaus Riedel wurde deutlicher: "Das Ehrenamt bricht mehr und mehr weg, auch bei der Feuerwehr." Das sei kein Problem allein der Viersener Wehr, er erlebe es überall. Die Folge: "Die Gemeinden bekommen Probleme, weil sie die Sicherheit ihrer Bürger gewährleisten müssen."

Viersen sei im Vergleich noch gut dran, schließlich leistet sich die Stadt hauptamtliche Kräfte im Brandschutz: "Viersen hat die teuerste Feuerwehr im Kreis." Es sei aber ein Irrtum anzunehmen, dass die Berufsfeuerwehr die Aufgaben allein erledigen könne: "Keine hauptamtliche Wehr kann alle Schäden allein abarbeiten – das geht nicht in Köln und nicht in Viersen."

Info

Die Wehr in Zahlen

Personal 462 Mitstreiter zählte die Viersener Wehr Ende 2009. 83 Hauptamtliche, dazu 235 freiwillige Männer und zwölf Frauen. 106 Wehrleute gehören zur Ehrenabteilung, den "Ruheständlern". 26 junge Menschen waren in der Jugendfeuerwehr aktiv, darunter ein Mädchen.

Einsätze 1023 Mal rückte die Wehr aus, zu 151 Bränden, 730 Hilfeleistungen und 142 Fehlalarmen. Der Rettungsdienst meldete 10 653 Einsätze, wobei der Rettungswagen fast 700 Mal öfter ausrückte als 2008.

Sinkendes Ansehen

Als eine Ursache stellte er das sinkende Ansehen des Ehrenamtes an sich in der Öffentlichkeit fest. Wer heute statt mit einem Nebenjob das größere Auto zu finanzieren seine Freizeit opfere, um anderen zu helfen, sei "der Blödmann". Dem gegenüber stehe der wachsende Anspruch an "den Staat", eine "Rundumversorgung und -sicherung" zu bieten. Riedel: "Wir dürfen die Menschen nicht aus ihrer persönlichen Verantwortung für das Gemeinwohl entlassen."

Wehrführer Kersbaum ergänzte Riedels Anmerkungen mit dem Hinweis, dass die, die sich in der Feuerwehr engagieren, die entgegen stehenden Anforderungen ihrer Arbeitgeber "nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage" stärker spürten. Außerdem hätten immer mehr Wehrleute ihren Arbeitsplatz nicht "in ortsansässigen Betrieben, geschweige denn bei der eigenen Kommune". Riedel hatte darauf hingewiesen, dass das verspätete oder ausbleibende Nachrücken weiterer Helfer im Ernstfall nicht nur die Hilfe erschwere, sondern auch Gesundheit und Leben derer gefährde, die bereits am Einsatzort seien und nicht zeitig abgelöst werden können.

Eine weitere große Herausforderung sieht die Wehr in den Sparmaßnahmen, die aus der Haushaltslage der Stadt folgen. Kersbaum: "Wir werden gemeinsam dafür sorgen, dass die Wehr sowohl leistungsfähig als auch wirtschaftlich arbeitet." Stadtkämmerer Rolf Corsten dankte den Wehrleuten, deren "Geschäft nie so schwierig war wie heute". Für die Politik dankte Dülkens Ortsbürgermeister Michael Aach den Wehrleuten für ihr Engagement. Er versprach, dass die Politik stets ein offenes Ohr für die Sorgen der Feuerwehr haben, "nicht nur im Grußwort bei der Generalversammlung".

Quelle: RP

 
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