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Viersen: Flechten wie die alten Korbmacher

VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 14.02.2009

Viersen (RPO). Reportage Wer einen Korb bekommt, sollte dafür dankbar sein. Denn in ihm steckt jede Menge Arbeit. Zumindest, wenn er handgemacht und aus Weide ist. Eine Erkenntnis des Grundlehrgangs im Korbflechten, der auf dem Landschaftshof Baerlo stattfand.

Konzentriert und in großer Runde lernten die Teilnehmer des Grundlehrgangs auf dem Landschaftshof Baerlo die ersten Schritte des Korbflechtens kennen.   Foto: RPO
Konzentriert und in großer Runde lernten die Teilnehmer des Grundlehrgangs auf dem Landschaftshof Baerlo die ersten Schritte des Korbflechtens kennen. Foto: RPO

breyell Vorsichtig und doch nachdrücklich biegt Reinhard Drawz die Weidenrute. In der einen Hand hält er ein Kreuzgeflecht, das langsam immer größer und runder wird. Mit der anderen Hand fädelt er das rund ein Meter lange neue Weidenmaterial hinein. Zwischendurch hält er immer wieder inne, um sein Handwerk zu prüfen. Mit der Gartenschere schneidet er hier etwas überstehendes Holz ab und bessert dort eine Stelle nach. Das runde Flechtwerk wird künftig der Boden eines Korbes sein. Diesen anzufertigen, ist das Ziel des Tages. "Profis brauchen zweieinhalb Stunden dafür", sagt er. "Aber so weit sind wir noch nicht."

Info

Korbflechten

Kursus An dem Vorkursus nehmen ausschließlich Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Biotopschutz im Kreis Viersen teil. Spontane Besucher können nicht mitmachen.

Ausstattung Zum Korbflechten benötigt man neben seinen eigenen Händen Weidenruten, Messer, Gartenschere, Stecheisen und Schlageisen.

Ein langer Weg

Von der Weide zum Korb ist es ein langer Weg. Geduld und Fingerfertigkeit sind von Nöten, ebenso Kraft und Können. Im Landschaftshof Baerlo lernen acht Männer und Frauen von Reinhard Drawz die Grundzüge des alten Korbmacherhandwerks. Jeder hockt rittlings auf einer speziellen Holzbank, einem langen, schmalen Block. In der Mitte des Raumes liegen nach Dicke sortierte Weidenruten. Daneben als Ansporn wie Anschauungsmaterial ein fertiger Weidenkorb. Alle haben eine Gartenschere vor sich liegen.

Manche wie Jürgen Tüffers, Gärtnermeister bei Kolpingbildungswerk in Amern, sind auch noch mit einer Werkzeugkiste ausgestattet, in die sie ab und zu greifen. Seine erste Erkenntnis: "Man spürt Muskeln, die man noch nie zuvor bemerkt hat." Tüffers lernt nicht für sich allein. Er ist auf Fortbildung und plant, die gewonnenen Korbmacherfähigkeiten an Jugendliche, die eine Berufsvorbereitungsmaßnahme Gartenbau absolvieren, weiterzugeben. Andere möchten lernen, wie Weide zu dekorativen Zwecken verarbeitet wird.

Diese Kenntnis wieder vermehrt unter die Leute zu bringen, ist Sinn des Kurses und Bernd Rosenkranz ein großes Anliegen. "Grundlegendes Wissen geht unserer Gesellschaft verloren", sagt der Leiter des Landschaftshofs Baerlo und der Arbeitsgemeinschaft Biotopschutz im Kreis Viersen. "Wir dürfen das alte Korbmacherhandwerk aus traditionellen Gründen nicht aussterben lassen."

Alte Sorten sind gefragt

Seit mehr als 35 Jahren widmen sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Kopfweidenpflege. "Dabei halten wir stets nach alten Sorten Ausschau", sagt Rosenkranz. 13 dieser alten Sorten sind inzwischen auf dem Landschaftshof in einem eigenen Weidengarten angesiedelt, und es sollen noch mehr werden. Für Bernd Rosenkranz ist das Korbflechten lokales Brauchtum, das es zu pflegen und zu bewahren gilt. "Um 1880 gab es in Breyell eine Korbflechtereischule", sagt er. Damals wurden dort 50 Morgen alter Kulturweidensorten angebaut. Heute gibt es laut Rosenkranz in Nordrhein-Westfalen nur noch vier Firmen, die Produkte aus Weide herstellen. "Das Korbmacherhandwerk stirbt aus", sagt er. Dagegen helfe nur Wissensvermittlung. Auf dem Landschaftshof Baerlo geschieht sie im vierten Jahr.

Wer einen Korb flicht und dafür junge, unterschiedliche Weidensorten verwendet, nennt am Ende ein überraschend buntes Handwerksstück in Naturfarben sein Eigen. Die stille Schönheit ist jedoch nicht der einzige Aspekt, die dafür spricht, die Korbmachertradition am Leben zu erhalten. "Es ist sehr sinnvoll, geschnittene Kopfweiden auch zu verwenden", erklärt Jürgen Tüffers, während er weiter am Boden seines Korbes flicht. Werden Kopfweiden einmal geschnitten, müssen sie immer wieder aufs Neue gestutzt werden, erklärt er. "Sonst brechen sie auseinander."

Reinhard Drawz ist begeistert über die Vielseitigkeit des Flechthandwerks: "In so einem Korb steckt eine ganze Menge drin."

Quelle: RP

 
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