Kreis Viersen: Fontys setzt auf die Euregio
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012Kreis Viersen (RP). Die Kritik im niederländischen Kabinett an angeblicher Überflutung durch deutsche Studenten ist in Venlo nicht ohne Folgen geblieben. Fontys stärkt die Internationalität und bindet die heimische Wirtschaft stärker an sich.
Die Fontys Hochschule in Venlo bleibt auf Wachstumskurs. Zu Beginn des Studienjahrs im Herbst 2011 stieg die Zahl der Studenten um rund 600. Wieder kamen überwiegend deutsche Abiturienten auf den Campus. Aber unter den Neulingen waren auch 70 junge Menschen aus anderen Teilen der Welt. Die meisten stammen aus dem Baltikum. "Wir sind jetzt echt auf dem Weg zu einer internationalen Hochschule", stellt der stellvertretende Leiter von Fontys in Venlo, Dr. Thomas Merz, zufrieden fest.
Allerdings hat sich ein Schatten auf die Bilanz gelegt. Das Kabinett in Den Haag ist urplötzlich auf die Idee gekommen, die Niederlande würden überschwemmt von Studierenden aus Deutschland. Die Kosten dafür beziffert Staatssekretär Halbe Zijlstra in einem Brief an das Parlament mit 90 Millionen Euro. Deutschland solle sich gefälligst an den Kosten beteiligen.
Auch das ist wichtig
Studenten In den Niederlanden sind 34 000 ausländische Studenten eingeschrieben, darunter 24 000 Deutsche. Nur 19 000 Niederländer studieren im Ausland.
Fontys Venlo Eingeschrieben sind 3500 Studierende, etwa 2000 im Bereich Wirtschaft, 1000 im Bereich Technik/Logistik, 500 in der Lehrerausbildung für die Grundschule.
Attacke aus Den Haag
Ins Visier geraten sind in erster Linie Hochschulen entlang der Grenze, die gezielt Angebote für deutsche Studenten entwickelt haben. Empört hat die Hochschulen und Oppositionspolitiker die Behauptung Zijlstras, den Hochschulen dort gehe es in Ermangelung niederländischer Studenten nur darum, auf Kosten der Qualität Immatrikulationen zu verbuchen. Im übrigen nutze die Ausbildung deutscher Studenten dem niederländischen Arbeitsmarkt gar nichts.
Das habe auch die Fontys Hochschulen sehr beunruhigt, räumt Merz ein. Aber die Diskussion, in der der Regierung die Diskriminierung von EU-Bürgern vorgehalten wurde, habe bei Fontys eine positive interne Diskussion ausgelöst. "Wir betrachten uns mehr denn je als Hochschule in der Euregio", sagt er. So besinnt sich Fontys auf die Anfänge zu Beginn der 1990er-Jahre zurück, als den ausländischen Studenten deutlich mehr Sprachkenntnisse des Niederländischen abverlangt wurden. Mit Beginn des neuen Studienjahres verdoppelt die Hochschule ihre verpflichtende Sprachunterweisung. Sie verlegt sich außerdem zunehmend auf die Wissensvermittlung in Englisch.
Deutsche Studenten werden außerdem ihre Praktika verstärkt bei niederländischen Betrieben absolvieren müssen. Eine Vereinbarung mit dem Business-Club Maas-Rhein und der Unternehmerschaft Venlo ist getroffen. Parallel will Fontys niederländische Studenten selbst auf Reisen schicken. Mit den Hochschulen in der Stadt Brandenburg sowie in Cottbus haben die Venloer sich darauf verständigt, dass sie schon in diesem Jahr Studenten aus Limburg für ein Semester aufnehmen. "Die jungen Leute hier in Limburg haben wesentlich größere Hemmungen, ins Ausland zu gehen. Sie werden in Brandenburg auch ihre Deutsch-Kenntnisse deutlich verbessern müssen. Die IHK in Cottbus hat ihre Unterstützung bereits zugesichert.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



