Viersen: Freilichttheater im Allzweckraum
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 08.07.2008Viersen (RPO). Eigentlich sollte das Niederrheintheater seine Version des Märchens „Rumpelstilzchen“ auf dem Naturschutzhof unter freiem Himmel aufführen. Wegen des unsicheren Wetters fand die Aufführung dann aber sicherheitshalber im Inneren des Hofes statt. Den jungen Zuschauern war das egal.
Lobberich Der Blick fällt auf eine ebenerdige Bühne, an deren Kopf rote und beige Tücher hängen. In der Mitte ist ein Regal zu sehen, auf dem Besen, Zinkeimer und andere Gerätschaften stehen. Davor befindet sich ein weißer Tisch samt Stuhl. Auf einmal ist ein Ächzen und Stöhnen zu hören.
Ein Mann, an seiner Kleidung eindeutig als Müller zu erkennen, schlürft schwer bepackt mit Säcken in den Raum. „Es hat keinen Sinn mehr Korn zu mahlen. Vorige Woche ist der Esel gestorben“, jammert er und nimmt einen großen Schluck aus der Schnapspulle. Er trinkt und klagt weiter, doch dann erscheint mit wolligem grauen Haar und in einen großen braunen Schal über dem schwarzen Kleid eingehüllt, die Müllerin. Schon nach wenigen Sätzen wird klar, die Müllersleute sind pleite, der Müller mag es gern bequem und setzt auf seine Tochter, die einen reichen Mann heiraten soll, während seine Frau ihn zum Arbeiten anhält.
Beliebteste Figur
Märchen Die Erstauflage der Brüder Grimm stammt aus dem Jahr 1812. Das „Rumpelstilzchen“ wurde unlängst in einer Internet-Umfrage zur beliebtesten „Märchenfigur“ gewählt.
Niederrheintheater Das Ensemble ging aus dem Nettetaler „Theater unter‘m Dach“ hervor.
Termine „Rumpelstilzchen“ am 15. Oktober im Forum Straelen, am 18. November im Spinnrad Mönchengladbach und am 30. November im Kulturforum Schloss Dilborn zu sehen sein.
Das Märchen „Rumpelstilzchen“ hat im großen Allzweckraum des Naturschutzhofes in Lobberich Einzug gehalten. Es war eine Premiere auf dem Hof des Naturschutzbundes. Erstmalig gastierte das Niederrheintheater dort. Eigentlich sollte es dabei eine Premiere unter freiem Himmel werden, aber auf das Freilichttheater wurde aufgrund des Wetters verzichtet. Zwar schien die Sonne, aber es war zu windig.
Das „Rumpelstilzchen“ kam aber auch so bei den jungen Besuchern sehr gut an. Dicht an dicht saßen die kleinen Gäste auf den Holzbänken und den zusätzlich herangebrachten Sitzkissen und verfolgten mit Spannung das Märchen der Gebrüder Grimm, das Verena Bill, Leiterin des Niederrheintheaters, allerdings in eine eigene Fassung gepackt hatte. Bei ihr gab es nämlich auch eine Müllerin.
Bill spielte mit Michael Koenen zusammen. Blitzschneller Rollenwechsel war da angesagt. Bill verwandelte sich hinter der Bühne in Sekunden von der Mutter in die Tochter, während Koenen vor den Augen der Kinder das Müllergewand gegen das des Königs tauschte. Eine Idee, die sehr gut ankam, wie an den staunenden Kinderaugen abzulesen war. Gerade noch ein Müller und dann dank Perücke, Rüschenhemd, Frack und Königsmütze ein König.
Auch das Bühnenbild verwandelte sich regelmäßig, wobei auch hier Zuschauen angesagt war. So wurde aus einem einfachen Stuhl in der Mühle flugs ein prachtvoller Königssitz. Bill und Koenen spielten das Märchen mit Leib und Seele – egal in welcher Figur sie steckten. Mit dem Umziehen wechselten sie die Charaktere. Es gab herrliche Szenen zum Lachen, etwa als der Müller mit der langen Pfauenfeder, die ihn immer wieder in der Nase kitzelt, einen Brief an den König schreibt. Aber auch Spannendes, als Rumpelstilzchen mit Rauschebart und Zipfelmütze seinen ersten Auftritt hat. Ein stolzer König, eine resolute Müllerin und eine verzweifelte Müllerstochter, die am Ende aber doch strahlen konnte.
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