Niederkrüchten: Gasexplosion: 15-Jähriger tot
VON JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 16.11.2006Niederkrüchten (RPO). Der Leichnam des 15-jährigen Jugendlichen, der in der Nacht zu Mittwoch bei der Explosion einer Gasflasche auf dem Gelände der alten Niederkrüchtener Ziegelei Brimges ums Leben gekommen war, ist in der Gerichtsmedizin Düsseldorf obduziert worden.
Die Untersuchung hat ergeben, dass der Tod des Jungen durch Brandeinwirkung und nicht durch vorherige Gewalteinwirkung oder Folgen der Explosion der Gasflasche eingetreten ist. Wie die Pressestelle der Polizei Viersen ebenfalls erklärte, ist die Herkunft der Gasflasche ist bislang noch nicht geklärt.
Das war passiert:
War es Leichtsinn, Übermut oder haben die vier zwischen 13 und 15 Jahre alten Jugendlichen – drei kamen aus der Jugendhilfeeinrichtung Schloss Dilborn – die Gefahr nicht erkannt, als sie sich am Dienstag nach der Schule auf dem Gelände der alten Falzziegelei Brimges trafen? Zuvor hatten sich die zwei Jungen und zwei Mädchen so genannte Softair-Waffen besorgt, um auf dem mehr als 5000 Quadratmeter großen Terrain damit zu schießen.
Das Brimges-Gelände
Industrieruine Seit 1993 ist die stillgelegte Falzziegelei Brimges in Niederkrüchten eine Industrieruine.
B 221 Das Brimges-Gelände an der Bundesstraße 221 hat eine Größe von rund 5400 Quadratmetern.
Nutzungspläne Sämtliche Nutzungspläne der vergangenen Jahre platzten wie Seifenblasen: ein Pferdetraumland, ein Sauna- und Freizeitpark oder eine High-Tech-Schmiede für Leichtbauwerkstoffe.
Eine Stichflamme
Am frühen Abend beschlossen die vier, auf dem Gelände zu übernachten. Als Unterkunft diente eine etwa 15 Quadratmeter große Steinhütte. „Wir haben dort unter anderem sogar Reste von Matratzen gefunden“, erklärte später Michael Römer, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr in Brüggen. Was genau in dem Gebäude in den frühen Abendstunden geschehen ist, wird die Polizei noch rekonstruieren müssen. Sicher ist: In der Hütte befand sich aus noch ungeklärter Ursache eine Gasflasche. „ An dieser haben die Kinder auch herumgespielt und geschnüffelt“, so Viersens Polizeisprecher Wolfgang Wiese. Ein tödlicher Leichtsinn.
Gegen zwei Uhr kam es zur Katastrophe: Vielleicht genügte der Funke eines Feuerzeugs oder die Glut einer Zigarette, um das gefährliche Gas-/Luftgemisch zu entzünden. Es gab eine Stichflamme, die den 15-Jährigen unvermittelt traf. Das Gebäude stand sofort in Flammen, die drei anderen rannten fluchtartig ins Freie. Der zweite Junge versuchte vergeblich, seinen Freund aus dem Feuer zu retten. Dabei zog er sich schwere Verbrennungen zu. Verzweifelt rannte das Trio zur nahegelegenen Bundesstraße 221, um Hilfe zu holen. Wenige Minuten später – es war kurz nach zwei Uhr – konnten sie dort einen Autofahrer anhalten, der sofort die Rettungskräfte alarmierte. „In diesem Moment muss es einen furchtbaren Knall gegeben haben“, so Polizeisprecher Wiese. Die Gasflasche war explodiert und Teile des Gebäudes in die Luft geflogen. Um 2.15 Uhr trafen die ersten Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Brüggen am Unfallort ein. „Wir haben mit etwa 20 Kräften das Feuer gelöscht. Dann hat die Polizei wegen der Spurensuche gebeten, dass wir uns von der Brandstelle zurückziehen“, so Pressesprecher Römer.
Leiche geborgen
Die grausame Wahrheit kam gestern Morgen zu Tage: Die Beamten bargen die verbrannte Leiche des 15-Jährigen gebürtigen Aacheners aus den Trümmern des teilweise eingestürzten Gebäudes. Der verletzte Freund und die beiden Mädchen waren noch in der Nacht in eine Klinik sowie zur Wache nach Kaldenkirchen gebracht worden.
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