Niederkrüchten: Geburtsort: Wohnzimmer
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 31.01.2009Niederkrüchten (RPO). "Wir brauchen heißes Wasser und Handtücher!" – Das Klischee bei Geburten stimmt. Die Erfahrung machte jetzt die Familie Detloff. Bei ihr in Elmpt gab es nämlich eine Hausgeburt mit der Hebamme Monica Ebbers.
Elija weiß es zwar noch nicht, aber er ist ein ganz besonderes Baby. Zumindest, was seine Geburt betrifft. Er gehört nämlich zu den wenigen Neugeborenen, die bei einer Hausgeburt zur Welt gekommen sind. "Es war schon immer mein Wunsch, einmal ein Kind daheim bekommen zu können", erzählt Dorothee Detloff. Doch bei den ersten drei Geburten ergab sich nicht die Gelegenheit. Sapphira (13 Jahre) musste per Kaiserschnitt geholt werden und Damaris (10) sowie Noomi (8) kamen in Grevenbroich per ambulanter Geburt auf die Welt. Aber diesmal standen alle Vorzeichen auf Grün.
Mit dem Gebährstuhl nach Hause
"Ich hatte eine absolut problemlose Schwangerschaft. Wirklich alles war in Ordnung, und meine Hebamme Monica Ebbers gab grünes Licht für eine Hausgeburt", erinnert sich die 38-Jährige. Am 6. Januar machten sich dann die ersten Anzeichen bemerkbar. Es ging zwecks Untersuchung in die Niederkrüchtener Hebammenpraxis und danach wieder nach Hause, allerdings mit einem besonderen Gepäckstück, dem Gebärstuhl. Nachmittags wurden die Wehen intensiver, und die Hebamme kam mit ihren geburtshilflichen Instrumenten, dem tragbaren CTG zum Messen der Herztöne und dem Notfallkoffer ins Haus. "Sie hat als erstes meinem Mann und mir einen Waldspaziergang empfohlen und derweil auf unsere Kinder aufgepasst und alles vorbereitet", lobt Dorothee Detloff die liebevolle Betreuung.
Hausgeburten
Statistik Die Anzahl der Hausgeburten liegt in Deutschland bei rund einem Prozent. Schwangerschaften werden heute nicht mehr als etwas Normales, sondern als ein Risiko angesehen. Der Absicherungswunsch der Mütter ist dementsprechend sehr groß, und sie ziehen ein Geburtenhaus oder eine Klinik vor.
Sicherheit Hausgeburten kommen auch nur in Frage, wenn alles auf eine problemlose Geburt hindeutet. Beim kleinsten Anzeichen einer Komplikation geht es sofort ins Krankenhaus.
Als Geburtsort hatte sich die Elmpterin das Wohnzimmer ausgesucht. "Das ist nämlich mein Lieblingsraum", erklärt sie ihre Wahl. Es sei wunderschön gewesen. Draußen klirrende Kälte, drinnen muckelige Wärme, gedämpftes Licht, und im Kachelofen hätten die Holzscheite geknistert. Dort, wo sonst der Couchtisch steht, lag eine Matratze, und los ging es erst einmal mit einer Rückenmassage. Jede Menge Handtücher und heißes Wasser hatte die Familie dazu schon griffbereit stehen. Punkt 22 Uhr, die Detloffs hatten extra einen Funkwecker ins Wohnzimmer gestellt, kam Elija unter den Augen der Hebamme, des Ehemannes Daniel und Tochter Sapphira auf die Welt. "Es war ein unbeschreibliches Gefühl, zu Hause, in der gewohnten Umgebung, das Kind wirklich direkt nach der Geburt, noch verbunden mit der Nabelschnur, im Arm zu halten", schwärmt Dorothee Detloff. Und ihr Mann Daniel betont, es sei eines der schönsten Erlebnisse in seinem Leben gewesen.
Während Elija noch an der Nabelschnur hing, kamen Damaris und Noomi noch dazu, um den kleinen Bruder zu begrüßen. Während sich alle über den 51 Zentimeter großen und 3400 Gramm schweren Zuwachs freuten, räumte Monica Ebbers auf und verfrachtete Mutter und Kind anschließend ins normale Bett. "Eine Rundum-Betreuung, die einfach perfekt war", strahlt Dorothee Detloff, die sich jederzeit wieder für eine Hausgeburt entscheiden würde.
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