Viersen: Geläut gegen Auflösung
VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 10.05.2008Viersen (RPO). Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte sind empört: Die Pfarren St. Joseph und St. Notburga in Viersen sollen aufgelöst werden. Das hat das Bistum mitgeteilt. Von Fusion ist keine Rede mehr. Ab Montag läuten Kirchenglocken.
Die Pfarrangehörigen sollen in den katholischen Pfingst-Gottesdiensten über die Aktion informiert werden. Die gab es bislang noch nie: Ab Pfingstmontag sollen bis Dienstag vor Fronleichnam täglich von 15 bis 15.10 Uhr die Glocken von der Pfarrkirche St. Joseph und am Papst-Johannes-Zentrum läuten. „Mahnläuten“ nennen das die Verantwortlichen von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderäten in einem Schreiben, das in den Kirchen verteilt wird oder ausliegt.
Die Viersener schließen sich damit Aktionen an, die es beispielsweise auch in Kempen gibt. In der Thomasstadt geht es darum, dass dort drei katholische Pfarren zum 1. Januar 2010 fusionieren sollen. In Alt-Viersen war das ursprünglich auch geplant. So zumindest hatte es der Aachener Bischof mit Schreiben vom 6. März dieses Jahres verkündet.
Großgemeinde
Weitere Schritte Das Generalvikariat in Aachen will noch einen Schritt weiter gehen. Nach RP-Informationen sollen sich die übrigen Alt-Viersener Pfarren St. Marien Hamm, St. Helena Helenabrunn und St. Peter Bockert der neuen Innenstadt-Gemeinde St. Remigius anschließen. Das hat Bistumsvertreter Bernd Dickmeis deren Gremienvertretern bereits empfohlen.
Pfarrstellen Derzeit gibt es für die bestehende Gemeinschaft der Gemeinden Alt-Viersen drei Pfarrstellen. Das Bistum will sie in den nächsten Jahren auf 1,5 Stellen reduzieren.
Doch nun geht das Generalvikariat einen Schritt weiter: Es will die Kirchengemeinden St. Joseph (mit Papst Johannes in Beberich und St. Konrad am Grenzweg) sowie St. Notburga im Rahser auflösen. Die aufgelösten Pfarren fließen dann zum 1. Januar 2009 in die Pfarre St. Remigius ein. „Das ist starker Tobak“, sagen Mitglieder der Pfarre St. Joseph. Kirchenvorstand Thomas Nilles und Elisabeth Fiedler (Pfarrgemeinderat St. Joseph) sowie Gabi Ströthoff (Pfarrgemeinderat Papst Johannes) sprechen von einer „rigiden Vorgehensweise der Bistumsleitung“. „Mit der Auflösung unserer Pfarren sind wir nicht einverstanden“, so die verantwortlichen Ehrenamtler.
Kirchenrechtlich hat eine Auflösung weit reichendere Folgen als eine Fusion. Bei einer Fusion – wie sie bereits vor Jahren zwischen St. Joseph und St. Remigius angedacht war – haben die Partner gleiche Rechte. Die Auflösung bedeutet, dass die aufzulösenden Pfarren in die Pfarre St. Remigius eingegliedert werden.
Der Kirchenvorstand von St. Remigius wird von 10 auf 16 Mitglieder aufgestockt. Und, wenn die mögliche Kandidaten einer Ersatzliste in St. Remigius auf ein Nachrücken verzichten, dann könnten Vertreter von St. Joseph und St. Notburga deren Plätze einnehmen. Wenn diese dazu nicht bereit wären, dann bleiben Vertreter von St. Joseph und St. Notburga außen vor. „Hier wird eine lange Pfarrtradition mit einem Federstrich zerschlagen“, sagen Insider. Über die neuen Pläne des Bistums hat Bernd Dickmeis vom Generalvikariat die Gremienvertreter am 24. April in einem „Informations- und Planungsgespräch“ informiert. In dieser Woche schickte er den betroffenen Gemeinden – auch St. Remigius – einen Brief, in dem die Zusammenlegung detailliert beschrieben ist. Auch zur Verwendung der Gotteshäuser werden in dem Schreiben Empfehlungen gegeben. So soll etwa der Gottesdienstraum des Papst-Johannes-Zentrums an der Gladbacher Straße geschlossen werden.
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