Viersen: Genderkonforme Promotion an der Narrenakademie
VON INGRID FLOCKEN - zuletzt aktualisiert: 26.10.2009Viersen (RPO). Drei schwere Hammerschläge vom Rector magnificus Dr. Volker Müller kündeten den versammelten rund 100 Mitgliedern und Senatoren der Narrenakademie Dülken an, dass es jetzt ernst wird.
Im "sympathischen Viersener Stadtteil Süchteln" (Müller) hatten sie sich zum 33. Kreuzherrenessen eingefunden, in dessen Mittelpunkt die Promotion "humoris causa" steht.
In diesem Jahr war es die langjährige Rektorin der Dülkener Paul-Weyers-Schule, Gertrud Bohnen (80), die der Rector magnificus "genderkonform" (Radikalisierung der Emanzipation laut EU-Recht) als dritte Frau nach Katharina Holtz (die der Stadt Dülken ihre Windmühle schenkte) und Gisela Schliemann aus Süchteln zur "Doctorin" promovieren wollte.
Den musikalischen Rahmen der Feier gestaltete Klaus Steves mit seinen Enkeln Max und Jonathan. Steves folgte Gertrud Bohnen als Rektor, ging ihr aber als Doctorand voran. Alle Senatoren der Narrenakademie hatten einstimmig die Promotion befürwortet. Der Rector stellte Gertrud Bohnen vor als einen Menschen, der die Ehrung verdiene: "Sie hat sich als Mensch viel Respekt verschafft, ist bescheiden und sympathisch." Die Laudatio hielt Dr. Hans Schläger, Gertrud Bohnens "Leibarzt". Er stellte ihr "Curriculum vitae", ihren Lebenslauf, vor und zitierte Hildegard Kubulus: "Der echte Humor gleicht dem fallenden Schnee. Er kommt aus dem Himmel, tut niemandem weh."
"Ihre zum Ruhme Dülkens mit stets sonnigem Humor erbrachte Lebensleistung ist für die Dülkener Narrenakademie Anlass, Ihnen zum Dank und zur Ehre die Würde einer Doctorin humoris causa zu verleihen." Die obligatorischen drei Examensfragen beantwortete Gertrud Bohnen zur vollsten Zufriedenheit der Narrenakademie-Vertreter: "Von welchen Häusern in Dülken kann man auch in Mundart berichten?" – da nannte Gertrud Bohnen das "Mostertz-Hüske", dessen Geschichte sie in Mundart vortrug. Auf "Was können Straßen und Gassen von einer Stadt erzählen" erzählte sie von "Drüemelsjotz" (Schöffengasse) und "Schäeljotz" (Vogelsanggasse) und den anderen Gassen, die auf ihre Veranlassung hin ihre alten Namen auf die Schilder bekamen.
Zu "Wie löst der echte Dölker Konflikte?" meinte Gertrud Bohnen auf Platt: "Er löst Probleme nicht mit Zank und Streit, sondern mit Lachen, mit Humor." Die Anwesenden votierten einstimmig – "nachdem wir sie zugelassen haben" – für die Promotion von Gertrud Bohnen, die sich gerührt den Doktorhut vom Rector aufsetzen ließ, nachdem sie zuvor "mit klopfendem Herzen" gehofft hatte, das Doktor-Examen zu bestehen.
Die Hymne "Gloria tibi Dülken" beendete einen festlichen Abend mit der Ehrung einer Frau, die von der Narrenakademie neben Goethe, Adenauer und zuletzt Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gesetzt wurde.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



