Viersen: Geplatzte Partyträume
VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 04.05.2011Viersen (RPO). Unter dem Markennamen Prostitunes hat Martin Stappen namhafte Discjockeys nach Dülken eingeladen.Doch der Spaß ist ihn teuer zu stehen gekommen. Die Firma Apple stoppte sein Unternehmen.
Für Martin Stappen war es ein teurer Spaß. Der Student wollte auf dem Musikmarkt etwas unternehmen, doch der Weltkonzern Apple hat ihm den Saft abgedreht. Der Name seiner Firma musste sich in Schall und Rauch auflösen. "Meine Ohnmacht macht mich wütend, weil ich nichts Unrechtes getan habe", betont der 23-Jährige. Die Anwälte von Apple wollten es so. Sie sahen in der Bezeichnung "Prostitunes" eine zu große Parallele zu den i-Tunes ihrer Auftraggeber.
"Knapp zwei Monate, nachdem ich den Firmennamen beim Patent- und Markenamt angemeldet hatte, habe ich bereits Post von denen bekommen", berichtet Martin Stappen. Er suchte sich ebenfalls eine Rechtsberatung. Dort erfuhr er zunächst, dass das Gesetz auf seiner Seite sei. "Es lässt Ähnlichkeiten zu, wenn das Wort eine neue Bedeutung bekommt. Bei mir ist die Kombinationation von i-Tunes innerhalb des Wortes reiner Zufall und hat mit dem Apple-Produkt gar nichts zu tun."
Apples i-Tunes
Mit den i-Tunes hat die Firma Apple ein Produkt auf den Markt gebracht, das nicht nur Filme und Musik auf dem Computer abspielt, sondern die digitalen Inhalte gleich mitliefert.
Die Nutzer können sich über das Internet Musikstücke, Filme oder Fernsehsendungen aussuchen und dann kostenpflichtig herunterladen.
Als er vor dreieinhalb Jahren mit einem Freund begann, Musikpartys zu veranstalten, sollte das Unternehmen einen originellen Namen bekommen. "Wir wollten aus einem noch unverbrauchten Begriff ein neues Wort schöpfen. So sind wir auf Prostitunes gekommen. Es soll bedeuten, dass wir uns für die Musik verkaufen", erläutert Stappen. Bei ihm drehte sich von Anfang an alles um die Plattenteller. Angesagte Discjockeys, Licht- und Tontechniker an einem Veranstaltungsort zusammenzubringen und die Stadt zu rocken – das war das Konzept.
"Wir hatten Spaß an dem Gedanken, Nachwuchstalente zu fördern und gute Leute hierher zu holen, damit in Dülken mal was los ist. Als ich 16 war, gab es hier nichts, wo wir mal hingehen konnten." Die Prostitunes-Partys machten sich schnell einen Namen. "Im Schnitt kamen 700 Gäste ins Emporium", berichtet Martin Stappen.
Da er das unternehmerische Risiko nach dem Ausstieg seines Freundes selber trug, wollte der junge Dülkener sich gegen Nachahmer absichern. Also ließ er den Namen seiner Partyserie als Marke eintragen. "Damit wollte ich verhindern, dass jemand anderer mit meiner Idee Geld verdient", betont der 23-Jährige. Reich ist er mit dem Konzept ohnehin nicht geworden. "Es hat geholfen, die Studiengebühren zu finanzieren, doch wirklich gelohnt hat es sich nicht. Mir war aber auch wichtiger, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen."
Doch muss er seine Marke verschwinden lassen, seine Internetseite auflösen und alle Werbemittel vernichten. Die letzte Veranstaltung ist erfolgreich über die Bühne gegangen, nun sind die Lichter aus. Von den Partyträumen ist wenig übrig geblieben außer Schulden und viel Wut im Bauch. Dennoch will Martin Stappen nicht aufgeben. Er will noch einmal neu anzufangen. "Es wird sich auch um elektronische Musik drehen, doch diesmal habe ich ein anderes Konzept im Kopf." Bis er das umsetzen kann, wird allerdings noch eine Weile vergehen. Zunächst will sich der 23-Jährige finanziell erholen und auf sein Kommunikationsdesign-Studium konzentrieren. "Beim zweiten Mal werde ich sicher nicht so planlos an den Start gehen." Denn die Prostitunes waren ein teurer Spaß.
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