Viersen: Glücksgefühle auf 42,195 km
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 04.05.2009Viersen (RPO). "Das war ein Traum!" Diese Reaktion hörte man gestern von vielen Mitgliedern des RP-Marathonteams. 168 Frauen und Männer gingen in Düsseldorf an den Start. 160 schafften es ins Ziel, darunter 29 aus Viersen.
Für den Düsseldorf-Marathon war er familiär gar nicht vorgesehen: Karl-Heinz Mevissen sollte seiner Frau Iris den Vortritt lassen. Doch dann kam das sechste Kind, und der 42-Jährige musste die Familienehre retten. Und das tat er mit Bravour. Nach 4:14 Stunden war er gestern im gelben Trikot des RP-Marathonteams beim Düsseldorf-Marathon im Ziel. "Dafür hat sich das halbjährige harte Training gelohnt. Und das war nicht einfach, Familie, Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen", sagte er. Die Familie jubelte ihm an der Strecke zu. Sein nächstes Ziel: Die 42,195 Kilometer bei einer Veranstaltung mit seiner Ehefrau laufen.
Das ist auch wichtig
Betreuer Hans Schümmer, Rolf Lonny, Hubert Moors, Bärbel Fisch, Dr. Michael Fritz
Sponsoren Sparkasse Krefeld, der Düsseldorfer Laufshop Düssel-Runner und der Brüggener Laufshop von Dietmar Groß
Besonderheit Alle Teilnehmer müssen sich vor Aufnahme ins Team sportmedizinisch untersuchen lassen
Das ist eine von vielen Geschichten im RP-Marathonteam Viersen 2009. Vor fünf Jahren schickte die Rheinische Post die erste Mannschaft an den Start. Inzwischen sind es mehr als 900 Frauen und Männer, die sich mit dem Konzept des Viersener Arztes und Ausdauersportlers Dr. Michael Fritz für die 42,195-Kilometer-Distanz fit gemacht haben. Die Teilnehmer können aus mehreren Trainingsplänen wählen und werden gezielt auf die Aufgabe vorbereitet: Sie lernen bei einem Läuferseminar, wie sie trainieren müssen.
Sie absolvieren einen Feldtest, um die maximale Herzfrequenz zu ermitteln. Und sie machen zusammen Testläufe – über 15, 30 und sogar 35 Kilometer. Jeder Teilnehmer kann Lauftreffs besuchen, die von erfahrenen Ausdauerathleten geführt werden. Nach dem gestrigen Marathonlauf sprach Dr. Fritz, sportlicher Leiter des Teams, den Teilnehmern ein Riesenkompliment aus: "Das war rundum schön. Alle haben sich sehr diszipliniert vorbereitet, sonst wären diese Leistungen nicht möglich gewesen." Insgesamt gingen 168 Frauen und Männer im RP-Team an den Start. 160 von ihnen schafften es ins Ziel, darunter 29 aus Viersen und Umgebung.
Dazu zählt auch Maria Tack. Die 60-jährige Lobbericherin hatte es dieses Mal nach mehreren vergeblichen Anläufen endlich ins RP-Marathonteam geschafft. Eisern trainierte sie, immer unterstützt von Ehemann Werner. Er begleitete sie gestern auch auf der Marathonstrecke mit dem Fahrrad. Und da bekam er mit, dass viele Menschen seine Frau anfeuerten. Nach 5:35 Stunden war sie im Ziel, und diese Nachricht gab sie telefonisch sofort an die Familie weiter: Die Enkel Leonhard und Lukas wollten wissen, wie es der Oma ergangen ist. Heute erfahren die älteren Menschen der Senioren-Tagesstätte von St. Sebastian Lobberich, wie es beim Marathon war: Tack leitet die Einrichtung und hat viel zu erzählen.
Und wie in jedem Jahr passten auch dieses Mal die Prognosen genau: Edith Steingräber (48) träumte nach dem letzten Testlauf von einer Endzeit von 4:10 Stunden. Am Ende war sie sogar eine Minute besser. "Als ich über die Ziellinie lief, hatte ich ein nicht beschreibbares Glücksgefühl, dass alle Strapazen sofort vergessen ließen", sagte sie glücklich. Ebenso Sandra Struck, eine 32-jährige Mutter von zwei Kindern: "Einfach genial. So viele Leute an der Strecke haben meinen Namen gerufen und mich angefeuert. Ich habe den Lauf vom ersten bis zum letzten Kilometer genossen. So wie das gesamte halbe Jahr vorher. Ein tolles Team."
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