Niederkrüchten: Glühwürmchen warnen
VON JOCHEN SMETS - zuletzt aktualisiert: 10.12.2008Niederkrüchten (RPO). „Kinder ins rechte Licht rücken“ – das war das Ziel der Glühwürmchen-Aktion, an der sich gestern rund 100 Kindertagesstätten im Kreis beteiligten. Tausende Kinder schwärmten aus, um Fahrer zur Vorsicht zu mahnen.
Die meisten sind kaum einen Meter groß, aber zu übersehen ist wirklich keines von ihnen: Knapp 60 Glühwürmchen bilden an der Overhetfelder Straße eine lange, leuchtende Kette. Mit Warnwesten, Blinkis, Stirnlampen und Taschenlampen machen sie auf sich aufmerksam. Joris hat nochmal die blinkende Nikolausmütze raus gekramt. Sogar Hund Danny, der Mama Yvonne Lankes und deren Töchter Henrike und Pia begleitet, trägt ein reflektierendes Leibchen. Der kleine Nils versinkt in einer XXL-Warnweste, die dem Steppke bis auf die Fersen reicht. Die Kinder der Kindertagesstätten „Unterm Regenbogen“ und „Raupe Nimmersatt“, die sich auf halber Strecke zwischen Elmpt und Overhetfeld treffen, fallen gnadenlos auf. Und das zeigt Wirkung im Dämmerlicht um kurz nach Acht: Reihenweise treten die Autofahrer beim Passieren der Glühwürmchen-Kette auf die Bremse. Manche weichen sogar auf die freie Gegenfahrbahn aus.
Wirkung über den Moment hinaus
Das geht so im ganzen Kreis Viersen. Kreisweit haben sich nämlich an die 100 Kindergärten und Kindertagesstätten an der Aktion beteiligt. Überall schwärmten gestern Glühwürmchen aus, um Autofahrer auf sich aufmerksam zu machen. Es ist die erste Aktion dieser Art im Kreis und in ganz Nordrhein-Westfalen, sagt Wolfgang Wiese, Pressesprecher der Kreispolizei. Wiese reiht sich an diesem Morgen in das Glühwürmchen-Gewimmel am Katholischen Kindergarten an der Wevelinghovener Straße in Lobberich ein. Hier haben Mütter Plakate gemalt: „Kinder ins rechte Licht rücken“, steht darauf und: „Gebt Acht auf Kinder“.
Gerade durch das flächendeckende Konzept wird die Aktion über den Moment hinaus Wirkung zeigen, ist Wiese überzeugt. Wer täglich an einem Kindergarten vorbeifährt und gerne mal den Tempo 30-Hinweis oder das Verkehrsschild „passierende Kinder“ übersieht, wird durch solch spektakuläre Aktionen sensibler, meint Wiese. Landrat Peter Ottmann brachte es in Lobberich auf den Punkt: „Kinder brauchen unsere Aufmerksamkeit, ganz besonders im Straßenverkehr. Wir hoffen, dass die Glühwürmchen eine Zeitlang in der Erinnerung der Autofahrer bleiben und diese Erinnerung ihre Fahrweise positiv beeinflussen wird.“ Zwischen Elmpt und Overhetfeld, wo sonst gern kräftig Gas gegeben wird, herrscht plötzlich Schleichverkehr. Dauerzustand ist das aber nicht: Yvonne Lankes lebt mit Mann und vier Kindern an der Dilborner Straße in Overhetfeld. Die Ortsdurchfahrt wird nicht so viel, dafür gerne schnell befahren. Für die Lankes‘ ist es der Kindergartenweg. Ganz wohl ist der Mutter mit dem Nachwuchs an der Hand dabei nicht immer: „Viele fahren viel zu schnell.“ Ein Kind und eine Mutter beeindrucken Autofahrer eben nicht so sehr wie 60 Glühwürmchen mit 40 Mamas und Papas. In der Tat: Die Kinder sind gerade wieder in die Kita zurückgekehrt, da legt sich ein Golf-Fahrer vor „Raupe Nimmersatt“ sportlich in die Kurve.
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