Viersen: Große soziale Bedeutung
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 05.09.2008Viersen (RPO). Die Landmaschinenfirma Vutz & Friedrichs in Lobberich gibt es längst nicht mehr. Doch die ehemaligen Mitarbeiter treffen sich nun zum zweiten Mal, um sich an vergangene Zeiten zu erinnern.
Vutz & Friedrichs
Treffen Das Treffen ehemaliger Mitarbeiter ist heute ab 18 Uhr im Alten Braukeller in Schaag.
Mitarbeiter Namentlich bekannt sind noch über 250 ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens, von denen 140 jetzt angeschrieben wurden. Wer noch kommen möchte, melde sich bitte bei Hermann Josef van Kessel, Tel. 02162 52934.
Vorbereitungen An den Vorgesprächen zum zweiten Treffen nach 1996 hatte sich auch Peter Drießen beteiligt, der viele Jahre bei Vutz & Friedrichs tätig war. Er ist inzwischen verstorben.
LOBBERICH Nur rund fünf Jahre, von 1955 bis 1959, ist Hermann Josef van Kessel als Lehrling und Geselle bei der Landmaschinenfirma Albert Friedrichs auf der Süchtelner Straße tätig gewesen, doch beschäftigt ihn die Geschichte des Unternehmens noch immer. Und so ist der Dülkener, der später Techniklehrer an den Beruflichen Schulen in seiner Heimatstadt und in Rheydt war, wie schon 1996 der ideale Organisator für eine Wiedersehensfeier ehemaliger Mitarbeiter.
Die Brüder Leonhard und Albert Friedrichs waren 1932 nach Lobberich gekommen, als sie den Betrieb von Tillmann Schmetz übernahmen, der ein Jahr zuvor in Konkurs gegangen war. In dieser Firma wurden schon 1912 Selbstbinder für Getreidegarben hergestellt. Die Friedrichs-Brüder hatten ihr Unternehmen 1911 in der Schmiede Stiegels in Schwanenberg bei Erkelenz gegründet und nutzten bald die neue Energie Strom, denn der Handblasebalg wurde durch einen Elektromotor ersetzt.
Mit der Übernahme von Schmetz entstand der für damalige Zeiten wohl größte Landmaschinenbetrieb am Niederrhein mit rund 80 Mitarbeitern. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Erbteilung innerhalb der Familie Friedrichs: Schwanenberg und Lobberich agierten selbstständig. Albert Friedrichs gründete 1956 einen Zweigbetrieb in Golkrath bei Erkelenz. „Wir waren damals über 100 Leute an beiden Standorten“, erinnerte sich van Kessel. Die Geschäfte gingen gut mit der zunehmenden Technisierung der Landwirtschaft.
Weil Albert Friedrichs keine Nachkommen hatte, übergab er 1962 das Unternehmen an Gottfried Vutz aus Neukirchen-Vluyn auf Rentenbasis und blieb bis zu seinem Tode Ende 1972 Teilhaber. Vutz & Friedrichs hielt im härter werdenden Wettbewerb auf dem Landmaschinensektor noch bis 1999 mit, dann wurden an der Süchtelner Straße die Hallen dicht gemacht. Heute stehen auf dem Gelände ein Getränkefachmarkt und ein Discounter. Zu bewundern ist aber auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch das alte Jugendstilhaus von Tillmann Schmetz. Einstige Kunden betreut heute Brigitte Renkes, früher Vutz & Friedrichs, mit ihrer Agrarcentrum Niederrhein GmbH, die auch eine Filiale in Golkrath hat.
„Es war zwar hart, aber ich habe da eine vernünftige Lehre gemacht“, erinnert sich Hermann-Josef van Kessel, „die hat uns im Prinzip ein Leben lang geprägt.“ Er bewundert auch den unternehmerischen Einsatz der Brüder Leonhard und Albert Friedrichs: „Sie hatten für den hiesigen Bereich eine große soziale Bedeutung und Verantwortung und haben für etliche Familien für Arbeit und Unterhalt gesorgt, was vielen in der heutigen Zeit nicht mehr bewusst ist.“
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