Kreis Viersen: Grün gegen Blau
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 15.11.2008Kreis Viersen (RPO). In Willich tobt ein Altpapierkrieg. Die Firma Gerke will ab Januar das lukrative Geschäft auf eigene Rechnung machen. Der Kreis warnt die Bürger, sich darauf einzulassen: Ihnen entgeht eine Entlastung bei den Gebühren.
Kein Einzelfall
Logistikfehler Im vergangenen Jahr geriet die Firma Gerke ins Visier der Staatsanwaltschaft: Altpapier war nicht vertragsgemäß bei EGN/Schönmackers, sondern bei einem Gladbacher Unternehmen abgeliefert worden.
Verfahren Den Schaden in Höhe von 200 000 beglich das Unternehmen, als der „Fehler“ aufdeckt wurde. Die Staatsanwaltschaft stellte im Mai das Verfahren ein.
In Willich wird derzeit ein Papierkrieg der besonderen Art ausgetragen. Die Firma Gerke versucht, auf eigene Rechnung eine gewerbliche Altpapiersammlung aufzubauen – in Konkurrenz zur Stadt Willich, die zum 1. Januar 2009 ein anderes Unternehmen mit dieser Aufgabe betraut hat. Es geht um sehr viel Geld, denn der Preis für Altpapier ist in jüngerer Vergangenheit kräftig gestiegen.
Die Stadt Willich hatte unter anderem das Einsammeln von Altpapier neu ausgeschrieben. Gerke fährt bis zum Jahresende das Papier in grünen Tonnen ab. An der Ausschreibung beteiligte sich das Unternehmen allerdings nicht. Gerke baut auf die Trägheit der Bürger und wahrscheinlich auch darauf, dass private Haushalte nicht rechnen können.
Zum Ärger der Stadt Willich lässt Gerke nämlich die grünen Tonnen stehen. Die Bürger werden damit geködert, dass Gerke pro Tonne Altpapier einen Euro „für einen guten Zweck“ stiften will. Das hat den Abfallbetrieb des Kreises Viersen auf den Plan gerufen. Gerkes Versprechen sei so plump, dass man dies nicht durchgehen lassen dürfe, erklärt der Technische Dezernent der Kreisverwaltung, Hartmut Kropp.
Viel Geld für die Bürger
Die Firma Alba wird im Auftrag der Stadt Willich ab 1. Januar Altpapier in blauen Tonnen einsammeln. Der Kreis ist dann für die Verwertung zuständig. Der wird jede abgelieferte Tonne der Stadt mit 85 (!) Euro vergüten. Bisher erhielten die Kommunen kreisweit 25 Euro je Tonne. nach einer neuen Ausschreibung Mitte 2007 auf Grundlage der höheren Erlöse für Altpapier entschloss sich der Kreis, deutlich mehr an die Städte und Gemeinden zu geben. Der Erlös entlastet den Bürger bei den Müllgebühren. „Wer Gerke das Altpapier überlässt, füllt dem Unternehmen die Taschen“, warnt Reinhard Wernitz vom Abfallbetrieb des Kreises.
In Willich geht es um eine Menge Geld. Man erwartet ein Jahresaufkommen von 3600 Tonnen Altpapier. „Jede Tonne, die der Firma Alba und damit dem öffentlich-rechtlichen Regime entzogen wird, ist ein herber finanzieller Verlust für den Bürger“, stellt Wernitz fest. Das Vergütungssystem hat der Kreis so angelegt, dass jede Stadt, die engagiert Abfall einsammelt, entsprechend belohnt wird. Darum bemüht sich Willich im Augenblick auch intensiv darum, die Bürger an die blaue Tonne zu ziehen. Die grüne Tonne solle jeder auf die Straße stellen und dort stehen lassen, bis Gerke sie abgeholt hat.
Nettetal und Grefrath haben übrigens solchen Versuchen, billig ins Geschäft mit dem Müll zu kommen, mit ihrer Ausschreibung einen Riegel vorgeschoben: Nach Ende des neuen Vertrages gehören die ausgelieferten Tonnen der Stadt.
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